«Gott helfe mir!»
Herr Domingo, Sie nehmen in diesen Wochen unter der Leitung von Antonio Pappano den kompletten «Tristan» auf – nach über vierzig Bühnenjahren und fast neunzig Opern-Gesamtaufnahmen. Was treibt einen Sänger, der es sich mit Konzerten und Galas viel leichter machen könnte, zur schwierigsten Partie des gesamten Tenorfachs?
Eben die besondere Herausforderung. Und die Liebe zur Rolle. Tristan ist die anspruchsvollste und gefährlichste Partie, die je für einen Tenor geschrieben wurde – und zugleich auch eine, der man kaum widerstehen kann.
Sie hat mich immer sehr gereizt, musikalisch und darstellerisch. Und ich war zweimal kurz davor, sie auch auf der Bühne zu singen. Ich hätte sie vor fünfzehn Jahren in Bayreuth singen können und vor acht Jahren an der Wiener Staatsoper. Aber ich habe mich dann dagegen entschieden, und ich denke nach wie vor, dass meine Entscheidung richtig war. Der Tristan hätte mit Sicherheit meine Karriere verkürzt. Dafür braucht man die Stimme und das Durchhaltevermögen eines echten Heldentenors, und das bin ich nun mal nicht. Ich bin ein Lirico spinto, ein Tenor, der sowohl lyrische als auch dramatische Partien singen kann. Lohengrin, Siegmund und Parsifal liegen ...
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Und das soll er also sein – einer der «wenigen deutschen Weltstars des Films», wie ihn die Deutsche Oper Berlin ankündigt. Der Herr, der uns gegenüber sitzt, ist ein freundlicher Mittsechziger, den man als unauffällig bezeichnen würde, hätte man ihn nicht schon so oft über rote Teppiche schreiten oder im Bildteil von Schriftsteller-Biografien auftauchen sehen. Ja,...
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