Erinnerungen einer Narzisse

Die Sopranistin Sylvia Geszty ernennt sich zur «Königin der Koloraturen»

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Schon die fünfjährige Sylvia hat sich gern im Spiegel betrachtet, wie man einem ganzseitigen Schwarzweißfoto in ihrem Erinnerungsbuch entnehmen kann. Auch die 70-jährige Primadonna i. R. genießt die Freuden der Selbstbespiegelung sichtlich, doch diesmal in Form eines Buches, das sie selbst geschrieben hat, da sich der vorgesehene Ghostwriter als unfähig erwies, indem er etwa «Glyndebourne» zu «Kleinbonn» mutieren ließ.

Die Autorin wider Willen geht den ungewohnten Job frisch und unbekümmert an, plaudert frei und nicht ohne Humor von der Leber weg, setzt sich ins richtige Licht und teilt kräftig aus, wo sie sich schlecht behandelt fühlt(e). Da stehen viele Gedanken etwas unsortiert nebeneinander, da nimmt Marginales allzu breiten Raum ein, und man bedauert oft, dass der Beruf des Lektors im heu­tigen Verlagswesen anscheinend ausgestorben ist.
Die durchgehende Attitüde des «Bin ich nicht toll? Mich hätten Sie sehen sollen!» macht die Lektüre für alle diejenigen, die nicht zu den blinden Fans der Sängerin gehören, etwas schwer genießbar, zumal die Beschreibung eigener Erfolge sowie erlittener Kränkungen etwa die Hälfte des Buches einnimmt. Auch die privaten Abschnitte, die Geschichte ...

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Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Magazin, Seite 27
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
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