Erinnerungen einer Narzisse

Die Sopranistin Sylvia Geszty ernennt sich zur «Königin der Koloraturen»

Opernwelt - Logo

Schon die fünfjährige Sylvia hat sich gern im Spiegel betrachtet, wie man einem ganzseitigen Schwarzweißfoto in ihrem Erinnerungsbuch entnehmen kann. Auch die 70-jährige Primadonna i. R. genießt die Freuden der Selbstbespiegelung sichtlich, doch diesmal in Form eines Buches, das sie selbst geschrieben hat, da sich der vorgesehene Ghostwriter als unfähig erwies, indem er etwa «Glyndebourne» zu «Kleinbonn» mutieren ließ.

Die Autorin wider Willen geht den ungewohnten Job frisch und unbekümmert an, plaudert frei und nicht ohne Humor von der Leber weg, setzt sich ins richtige Licht und teilt kräftig aus, wo sie sich schlecht behandelt fühlt(e). Da stehen viele Gedanken etwas unsortiert nebeneinander, da nimmt Marginales allzu breiten Raum ein, und man bedauert oft, dass der Beruf des Lektors im heu­tigen Verlagswesen anscheinend ausgestorben ist.
Die durchgehende Attitüde des «Bin ich nicht toll? Mich hätten Sie sehen sollen!» macht die Lektüre für alle diejenigen, die nicht zu den blinden Fans der Sängerin gehören, etwas schwer genießbar, zumal die Beschreibung eigener Erfolge sowie erlittener Kränkungen etwa die Hälfte des Buches einnimmt. Auch die privaten Abschnitte, die Geschichte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Magazin, Seite 27
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wagner: Parsifal

«Parsifal» in Koblenz: Nur die Nennung der Kombination des sehr kleinen Hauses mit dem sehr großen Werk könnte verschiedene Reaktionen wecken. Zu­nächst das unermüdliche Interesse der reisefreudigen Wagnerianer, die auch abseits der Opernzentren ihrer Passion frönen. Unglauben vielleicht, ob ein kleines Drei­spartentheater den «Parsifal» im engmaschigen Spielplan...

50 Jahre danach

Klein, silbern, teuer: Als vor gut einem Vierteljahrhundert die CD den Tonträgermarkt im Sturm nahm, war ein Preis von fünfundvierzig bis fünfzig Mark angepeilt. Das Spiel von Angebot und Nachfrage temperierte diese Phantasiesumme schnell, auch der Mangel an Aufnahmen im dreifach-digitalen Standard machte einen Strich durch die Rechnung. Nicht zuletzt mit den...

Zauber der Diskretion

Zu ihrem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr blieb es ziemlich still. Auch ihre exklusive Schallplattenfirma, bei der sie zwei Dutzend komplette Opern und zahlreiche Lied-Recitals eingespielt hat, sah keinen Anlass für eine Jubiläums-Edition. Dankenswerterweise hat das ­Label Testament in den letzten Jahren ­einige ihrer wichtigsten Aufnahmen auf CD neu...