Erinnerungen einer Narzisse
Schon die fünfjährige Sylvia hat sich gern im Spiegel betrachtet, wie man einem ganzseitigen Schwarzweißfoto in ihrem Erinnerungsbuch entnehmen kann. Auch die 70-jährige Primadonna i. R. genießt die Freuden der Selbstbespiegelung sichtlich, doch diesmal in Form eines Buches, das sie selbst geschrieben hat, da sich der vorgesehene Ghostwriter als unfähig erwies, indem er etwa «Glyndebourne» zu «Kleinbonn» mutieren ließ.
Die Autorin wider Willen geht den ungewohnten Job frisch und unbekümmert an, plaudert frei und nicht ohne Humor von der Leber weg, setzt sich ins richtige Licht und teilt kräftig aus, wo sie sich schlecht behandelt fühlt(e). Da stehen viele Gedanken etwas unsortiert nebeneinander, da nimmt Marginales allzu breiten Raum ein, und man bedauert oft, dass der Beruf des Lektors im heutigen Verlagswesen anscheinend ausgestorben ist.
Die durchgehende Attitüde des «Bin ich nicht toll? Mich hätten Sie sehen sollen!» macht die Lektüre für alle diejenigen, die nicht zu den blinden Fans der Sängerin gehören, etwas schwer genießbar, zumal die Beschreibung eigener Erfolge sowie erlittener Kränkungen etwa die Hälfte des Buches einnimmt. Auch die privaten Abschnitte, die Geschichte ...
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Hector Berlioz‘ Künstleroper «Benvenuto Cellini» teilt mit Jacques Offenbachs «Les Contes d’Hoffmann» das Schicksal, dass sie lange Zeit in einer von der ursprünglichen Konzeption des Komponisten weit abweichenden Fassung aufgeführt wurde. Im Falle des «Cellini» war das eine unter Beteiligung von Berlioz und Liszt erstellte Bearbeitung für eine Inszenierung in...
Es ist schon ein Kreuz mit Siegfried und Brünnhilde: Hat der jugendliche Held erst einmal seine Tante wachgeküsst, wird von den Darstellern über lange Minuten schauspielerisch viel gefordert. Wie viel man aus dieser brünstig endenden Duett-Szene machen kann, haben Evelyn Herlitzius und Christian Franz dieses Jahr in Bayreuth vorgemacht – wie erschreckend wenig...
Der Blick fällt in eine weite Halle, deren Tiefe sich ins Endlose zu erstrecken scheint. Feldbetten, eine Waschgelegenheit, Tische, Bänke und vor allem: zahllose gleichförmige Lampen, deren geometrisch ausgerichtete Reihen die großen Raumdimensionen noch unterstreichen. Allein diese Verhältnisse deuten schon auf die Monotonie des Alltags. Pierre Strosser verzichtet...
