Zauber der Diskretion
Zu ihrem 80. Geburtstag im vergangenen Jahr blieb es ziemlich still. Auch ihre exklusive Schallplattenfirma, bei der sie zwei Dutzend komplette Opern und zahlreiche Lied-Recitals eingespielt hat, sah keinen Anlass für eine Jubiläums-Edition. Dankenswerterweise hat das Label Testament in den letzten Jahren einige ihrer wichtigsten Aufnahmen auf CD neu herausgebracht.
Die Spanierin Victoria de los Angeles war eine der herausragenden Musikerinnen und Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.
Sie als Primadonna oder gar Diva zu bezeichnen, erscheint deshalb fast trivial und entspricht auch nicht ihrem Charakter und ihrem Auftreten. «Ein weicher, ruhiger Engel, fröhlich und lieb» ist sie nach dem Urteil ihres kongenialen Tenorpartners Nicolai Gedda. Und Gerald Moore, der sie fast zwei Jahrzehnte lang begleitete und tief verehrte, kannte sie als «eine ruhige und bescheidene Dame, die ihre glücklichsten Stunden mit Lesen, Lernen, Nähen, Grammophon- und Radiohören in ihrem eigenen Heim verbringt».
Der Name de los Angeles (von den Engeln) ist kein programmatischer Künstlername, wie man annehmen könnte. Spanischen Quellen zufolge lautet ihr voller Name Victoria de los Angeles López García. ...
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