Erbstück, aufgemöbelt
Franco Zeffirellis «Carmen»-Inszenierung aufs Korn zu nehmen, ist wie aufs Rote Kreuz zu schießen. Seit die Produktion 1995 herauskam, hat sie mit ihrer läppischen Betriebsamkeit – es treten lebende Tiere, Flamencotänzer, Toreros und jede Menge buntes Volk auf – immer wieder für spöttische Bemerkungen (nicht nur der Kritik) gesorgt. Vor der handwerklichen Professionalität, mit der diese wunderliche Theatermaschine läuft, sollte man indes den Hut ziehen.
Und doch wirkt das Ganze mit seinem «authentischen» Kostümplunder und einem Kulissenzauber, der riesige 3-D-Landschaften vorgaukelt, wie Pseudokino, wie eine Disney-Version des Stücks. Andererseits: Auf der gewaltigen, 46 Meter breiten Bühne und den «natürlichen» Stufen und Gewölben der antiken Arena geht, das muss man der Fairness halber zugeben, Zeffirellis Konzept gut auf (Bizet hatte «Carmen» freilich für die unvergleichlich intimere Opéra Comique in Paris gedacht). Man denke nur an das Schwindel erregende Gewusel im ersten Akt: Da ist an bis zu zehn verschiedenen Orten gleichzeitig etwas los, es geht die Treppen rauf und runter, auch nach dem x-ten Besuch hat man noch nicht alles gesehen.
In gewisser Weise hat Zeffirelli den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wohl kaum eine Figur der Operngeschichte erlebt so eine niederschmetternde Ausweglosigkeit wie Wozzeck. Wie zeigt man das auf der Bühne? Matthias Oldag, Generalintendant der Theater & Philharmonie Thüringen, und sein Bühnenbildner Thomas Gruber haben sich in Gera für eine simple, aber doch wirkungsvolle Lösung entschieden. Ein Raum, begrenzt von zwei Wänden, einer...
Das alte Rigaer Stadttheater steht noch. Hier war Richard Wagner von 1837 bis 1839 Kapellmeister, gastierten Clara Schumann, Liszt, Berlioz und Anton Rubinstein auf der Reise nach St. Petersburg. Der in die engen Häuserzeilen der Altstadt gezwängte Theatersaal stürzte jedoch bei einer «Dame blanche» ein und wurde 1863 durch ein großzügiges neues Haus am Stadtrand...
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an Helsinki, September 2004. An das Meer, das auf unerklärliche Weise den Weg auf die Bühne der Finnischen Nationaloper genommen hatte, und an diesen transparenten, weiß und schwarz schimmernden Nachen, wie von Lohengrin ersonnen, aber nicht von ihm gezogen, darin ein Mann den Weg zur fernen, ja unsterblichen Geliebten suchte und...
