Entlegene Pfade
Die Natur hat die junge Russin Margarita Gritskova mit einer Riesenstimme ausgestattet: einem Mezzosopran, fulminant in der Höhe, wie eine dunkle Glocke in der Tiefe und äußerst agil in den Auszierungen. Inzwischen singt sie in vorderster Reihe an der Wiener Staatsoper. Sie ist ein leuchtendes Beispiel für die Förderung junger Begabungen, wie sie Intendant Jochen Schönleber seit nunmehr 25 Jahren bei «Rossini in Wildbad» betreibt.
Die Sopranistin Maria Aleida und der wahrhaft kapitale Bass von Marcell Bakonyi gehören auch in diese Kategorie, während der heldisch auftrumpfende Tenor Kenneth Tarver im Grunde schon zu den alten Hasen zählt. Sie alle agieren in den Hauptpartien des «Sigismondo», den Gioachino Rossini mit 22 als neunte Oper aufs Papier warf. Sie wurde eine seiner erfolglosesten Arbeiten, taugte aber zur Resteverwertung, selbst für ein Meisterwerk wie den «Barbier von Sevilla». Dessen Introduktion, dessen Verleumdungsrascheln sind auf Anhieb auszumachen. Und damit wären wir beim nimmermüde verfochtenen Ziel Nummer zwei des Festivalchefs: den Entdeckungen, die bei einem derart produktiven Komponisten immer noch möglich sind.
«Sigismondo» gab es 1995 schon einmal im ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Heinz W. Koch
Es sollte die letzte Festivalsaison des langjährigen Intendanten sein. Seit 1982 hatte Raymond Duffaut die Chorégies d’Orange geleitet, viele Sternstunden im antiken Amphitheater sind ihm zu verdanken. Doch sein Abschied kam früher als erwartet: Als der rechtsextreme Oberbürgermeister von Orange vor einigen Monaten seine Stellvertreterin als Vorsitzende des...
Was für ein Finale! Zum Ausklang der Spielzeit setzte das Teatro Real einen bemerkenswerten Schlusspunkt, mit einem gänzlich «unspanischen» Stück: Bellinis «Puritani». Es war weniger die Inszenierung Emilio Sagis, eines studierten Anglisten, die den Erfolg begründete – die Regie blendet die politisch-historische Dimension aus, interessiert sich allein für die...
Sie war vielleicht die letzte echte Hochdramatische des Wagner- und Richard-Strauss-Fachs. Um ihr hohes C musste man nie zittern, und wenn sie auf der Bühne stand, ging stets eine unverwechselbare Aura von ihr aus. Dass Ute Vinzing, 1936 in Wuppertal geboren, am 9. September bereits ihren 80. Geburtstag feiert, wollen wir kaum glauben.
Ihre Karriere begann in der...
