Stimmenfest
Was für ein Finale! Zum Ausklang der Spielzeit setzte das Teatro Real einen bemerkenswerten Schlusspunkt, mit einem gänzlich «unspanischen» Stück: Bellinis «Puritani». Es war weniger die Inszenierung Emilio Sagis, eines studierten Anglisten, die den Erfolg begründete – die Regie blendet die politisch-historische Dimension aus, interessiert sich allein für die amourösen Irrungen der Hauptfiguren. Doch musikalisch wähnte man sich in einem Himmel, den kaum ein Wölkchen verdunkelte.
Gewiss, anfangs fremdelte der kraftstrotzende, an dramatischen Verdi-Partien, auch an Puccinis Scarpia und Wagners Wolfram geschulte Bariton des Franzosen Ludovic Tézier noch ein wenig mit den vokalen Besonderheiten des von Elvira zurückgewiesenen, zwischen Enttäuschung und Rachegefühlen schwankenden Riccardo. Die große Arie im ersten Akt («A, per sempre»), eine zwischen Piano und Mezzoforte oszillierende Klagenummer, ertönte weitgehend in Forte-Stärken. Anders Diana Damrau: Ihre Elvira war von Anfang an bei sich, und das heißt hier auch: außer sich. Die Polonaise gestaltete sie großbogig, spannte spielerisch perlende Koloraturen, die Vorfreude auf die Hochzeit mit dem jungen Lord Arturo sprach aus jedem ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Thomas Urban
Ums große Jubiläum hat Charles MacKay nicht viel Wind gemacht. Der General Manager der Santa Fe Opera ist seit 2008 im Amt, doch die Company in New Mexico wurde in diesem Sommer 60 Jahre alt. Gleichwohl verzichtete man auf ein spezielles Festprogramm, setzte bei den fünf Produktionen auf Repertoirestücke und die bewährte Mischung aus szenischer Kulinarik und...
Am Ende des zweiten Akts von Luigi Cherubinis «Ifigenia in Aulide» sind vier Seelen in Aufruhr. Agamemnon soll seine Tochter Iphigenie opfern, damit die Göttin Diana ihm Winde schickt und seine Schiffe endlich nach Troja auslaufen können. Iphigenie will sich dem Schicksal fügen, aber Achill, ihr Verlobter, ist nicht einverstanden. Odysseus drängt, den Willen Dianas...
Seit 1945 spielt hier allsommerlich die Musik. Auf einem prachtvollen Landsitz, etwa 80 Kilometer nördlich von New York City. Damals luden die Eigentümer des Anwesens, der aus Berlin emigrierte Walter Rosen und seine Frau Lucy Bigelow (die übrigens einen Narren am Theremin gefressen hatte), erstmals zum Festival. Ein Musikzimmer und ein Hof in spanischer Anmutung...
