Stimmenfest
Was für ein Finale! Zum Ausklang der Spielzeit setzte das Teatro Real einen bemerkenswerten Schlusspunkt, mit einem gänzlich «unspanischen» Stück: Bellinis «Puritani». Es war weniger die Inszenierung Emilio Sagis, eines studierten Anglisten, die den Erfolg begründete – die Regie blendet die politisch-historische Dimension aus, interessiert sich allein für die amourösen Irrungen der Hauptfiguren. Doch musikalisch wähnte man sich in einem Himmel, den kaum ein Wölkchen verdunkelte.
Gewiss, anfangs fremdelte der kraftstrotzende, an dramatischen Verdi-Partien, auch an Puccinis Scarpia und Wagners Wolfram geschulte Bariton des Franzosen Ludovic Tézier noch ein wenig mit den vokalen Besonderheiten des von Elvira zurückgewiesenen, zwischen Enttäuschung und Rachegefühlen schwankenden Riccardo. Die große Arie im ersten Akt («A, per sempre»), eine zwischen Piano und Mezzoforte oszillierende Klagenummer, ertönte weitgehend in Forte-Stärken. Anders Diana Damrau: Ihre Elvira war von Anfang an bei sich, und das heißt hier auch: außer sich. Die Polonaise gestaltete sie großbogig, spannte spielerisch perlende Koloraturen, die Vorfreude auf die Hochzeit mit dem jungen Lord Arturo sprach aus jedem ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Thomas Urban
Endlich ist er in Russland angekommen: Mieczyslaw Weinbergs «Idiot». Zwar gab es 1991 ein paar Aufführungen an der Pokrovsky Kammeroper in Moskau, doch gespielt wurde damals eine stark gekürzte Fassung, die bald vom Spielplan verschwand. Für das russische Publikum ist Weinberg bis heute eher ein namenloser Filmkomponist als Schöpfer von Klavier- und Kammermusik,...
Das Opernwelt-Jahrbuch
Wer ist «Sänger des Jahres»? Welcher Dirigent, welches Opernhaus hat sich in der vergangenen Spielzeit besonders ausgezeichnet? Am 30. September erscheint das Jahrbuch «Oper 2016» – mit den Ergebnissen unserer Kritikerumfrage, Künstlerporträts und Interviews. Außerdem: ein Gespräch mit Matti Salminen, Essays über Shakespeare im modernen...
Früher konnten sich die Fans sicher sein. Mindestens ein-, am besten zweimal Barock pro Saison, das war eine feste Bank im Spielplan der Bayerischen Staatsoper. Der Riesen-Dino von Richard Jones, heute schon fast eine Münchner Tierlegende wie der Rauhaardackel, machte anno 1995 für Händels «Giulio Cesare» den Auftakt. Aus Renaissance wurde Überfütterung,...
