Entfesseltes Theater
Dem Regisseur Dietrich Hilsdorf ist es gelungen, sich seit mehr als zwei Jahrzehnten den Ruf eines ewig jungen Wilden zu bewahren. Opernwerke wirken auf ihn wie Festungsanlagen. Diese wollen beschossen und danach erstürmt sein. Was danach kommt, präsentiert sich unterschiedlich. Entweder wird die Festung wieder aufgebaut, oder sie wird geschliffen. Dann bleibt vom ursprünglichen Bau nicht mehr viel übrig. Vor dreiundzwanzig Jahren hat Hilsdorf in Gelsenkirchen schon einmal Verdis «Otello» inszeniert. Jetzt also mit gewachsenen Erfahrungen am Theater Bonn.
Wenn der Vorhang hochschnellt, der Sturm im Orchester losbricht, blickt man sozusagen vom Kopfende her ins Schlafgemach Desdemonas, das sich auf einem hohen Podest, als Bühne auf der Bühne, befindet. Von allen Seiten stürmt der Chor auf die Szene, steigt durch Fenster, Türen und andere Öffnungen ins Schlafzimmer, wo Desdemona mit dem Volk ängstlich zum imaginären Meer im Zuschauerraum blickt. Wird sich der geliebte Mann und große Feldherr aus der Seenot retten können? Aus einer Luke unterhalb des Podests kriechen einige Arbeitsleute hervor, eilen durchs Parkett zum unsichtbaren Strand (dem Foyer) und schleppen den erschöpften ...
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Ist der Mann verrückt? Nein, ist er nicht. Er hat nur einen ausgeprägten Hang zum Abseitigen. Zudem ist er Brite, somit ausgestattet mit einem sehr speziellen Humor; einem Humor übrigens, von dem man sich in deutschen Neue-Musik-Kreisen durchaus eine Scheibe abschneiden könnte. Mit anderen Worten: Sucht man in der europäischen Szene einen Komponisten, der gegen das...
Die konzertante Uraufführung liegt ein Jahr zurück: Im Sommer 2006 hatte das Radio-France-Festival in Montpellier Edouard Lalos vergessene Schiller-Oper aufs Programm gesetzt. Und doch kann man auch die szenische Weltpremiere von «Fiesque», die anlässlich der 14. Internationalen Schillertage vom Mannheimer Nationaltheater gestemmt wurde, ein kleine Sensation...
Eine Gesamtauslastung von 92 Prozent mit einem Zuwachs um vier Prozent und leicht gestiegene Abonnementzahlen konnte Albrecht Puhlmann, der im vergangenen Jahr Klaus Zehelein als Intendant der Staatsoper Stuttgart beerbte, zur Halbzeit seiner ersten Saison vorweisen. Die Zahlen also stimmen. Aber stimmt auch die künstlerische Bilanz, die sich jetzt am...
