Entdecker und Schrittmacher

Der vielleicht sängerkundigste Anwalt der Barockoper – zum Tod von Alan Curtis

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Niemals stand der Amerikaner Alan Curtis im Verdacht, der temperamentvollste, unberechenbar genialischste Überflieger der Alten Musik zu sein. Er wirkte besonnen, dienstfertig und defensiv. Führt man sich die enorme Zahl seiner Ersteinspielungen von Barockopern vor Augen, die eine Entstehungszeit von knapp einem halben Jahrhundert umspannen, so steht man betroffen vor der Tatsache, dass Curtis ein geheimer Schrittmacher, ein hochaktives Epizentrum der historischen Aufführungspraxis war.



In Gestalt unbekannterer Vivaldi- und Händel-Opern («Arminio», «Admeto», «Ezio», «Tolomeo», «Lotario», «Floridante», «Fernando», «Rodrigo», «Deidamia» und «Giove in Argo») legte er Gesamtaufnahmen randständiger (Meister-)Werke vor, die bleiben werden, da Curtis die vielleicht letzten Gelegenheiten ergriff, solch teure Produktionen in überragenden Besetzungen zu realisieren.

Curtis war der vielleicht sängerkundigste Vertreter seiner Zunft. Joyce DiDonato erhob er in gleich drei Händel-Gesamtaufnahmen zum Star: «Alcina», «Ariodante» und «Radamisto». Ob für Marijana Mijanovic (in «Rodelinda»), Marie-Nicole Lemieux («Giulio Cesare») oder Vesselina Kasarova: Curtis hielt zu seinen Entdeckungen, bewies ...

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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 95
von Kai Luehrs-Kaiser

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