Wechselspiel
Vorn, ganz nah am Wasser des Bodensees, ein in Blau getränkter Raum. Das Refugium des Calaf, zugleich aber auch die Arbeitsklause des Komponisten. Auf dem Klavier windbewegte Noten. Sinnend hockt er da und betätigt eine Spieluhr, wie auch Giacomo Puccini eine besaß. Es ertönt eine Melodie, die nachher auch in dessen letzter, unvollendeter Oper «Turandot» erklingt. Und der Sänger des Calaf trägt einen Schnauzer, dem des Komponisten auffallend ähnlich. Für den Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli gilt die Gleichung: Calaf ist Puccini.
Freilich: Hat der beharrliche Kampf des «unbekannten Prinzen» um die Liebe der männerhassenden und -mordenden Turandot letztlich doch noch Erfolg, so war das beharrliche Streben des an Kehlkopfkrebs leidenden Opernschöpfers nach der Vollendung seines Werks vergeblich.
Drinnen im Bregenzer Festspielhaus eine bühnenhimmelhohe, steile Treppe. Was Christof Hetzer für «Hoffmanns Erzählungen» bauen ließ, machte den Pariser Folies Bergère oder den Varietétempeln von Las Vegas alle Ehre. Und bald trippelt ein schmächtiger Herr, angelichtetes Haar, Kneifer, Backenbart, das Cello in der Rechten, die Stufen hinab: unverkennbar Jacques Offenbach. Auch ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
Wie ein Meeresarm liegt er da, der Sankt-Lorenz-Strom, mehr als ein Kilometer sind es von Ufer zu Ufer. Ein erhabener Anblick. Und ein Gegenbild zu den monotonen Wald- und Agrarlandschaften, die der Highway von Montréal durchmisst. Erst auf dem Pont Pierre-Laporte wird uns so richtig bewusst, dass Québec am großen Wasser liegt: schon vor den Toren der Stadt ein...
Frau Soffel, verstehen Sie sich eher als Sängerin oder als Singschauspielerin?
Ich komme von der Geige her, und es gab eine Zeit, da habe ich Bach, Pergolesi und Monteverdi über alles geliebt. Dann kamen neue Minenfelder. Man lernt – ein bisschen von Regisseuren, noch mehr vom Leben. Heute empfinde ich den Ausdruck «Singschauspielerin» als großes Kompliment.
Vom...
I.
Ist er es? Sitzt er da wirklich wieder vor dem Weihenstephan? Dem Hotel nicht weit vom Bahnhof, in dem er, so erzählt man in Bayreuth, jedes Jahr zur Festspielzeit absteigt? Ja, er ist es wirklich. Ein wenig missmutig blinzelt René Kollo (77) in die Sonne. Diese Hitze! Den Rotwein hat er fast geleert, die Zigarre ist fast aufgeraucht. Nur noch eine Stunde bis...
