Endspiel in Schwarzweiß
Der letzte Dortmunder «Ring» wurde 1994 vollendet. Stand mit dem geringen Abstand von einem Jahrzehnt eine neue Interpretation wirklich dringend an, zumal es in jüngerer Zeit und in leidlich erreichbarer Nähe alternative Produktionen zu besichtigen gab (Münster, Köln)? Die Dortmunder Initiative dürfte in erster Linie dem Ehrgeiz der Regie führenden Opernchefin zuzuschreiben sein, das Riesenwerk noch einmal anzupacken. Dass Christine Mielitz eine Berserkerin der Arbeit ist, bezeugt nicht nur ein kürzlich ausgestrahltes Fernsehporträt.
Hinzu kommt, dass die ehemalige Chefin des Meininger Theaters gewissermaßen einen Glorienschein trägt, seit sie die «Ring»-Tetralogie an vier aufeinanderfolgenden Tagen stemmte. Ohne diesen Meininger «Ring» wäre das Dortmunder Engagement von Mielitz sicherlich kaum zustande gekommen.
In Dortmund heißt der Ausstatter nicht mehr Alfred Hrdlicka, sondern Stefan Mayer. Schon aufgrund dieser neuen Partnerschaft musste etwas Neues entstehen, auch wenn Details der Meininger Produktion verblieben sind (so die langen roten Haare von Brünnhilde und Siegfried) bzw. nur eine leichte Metamorphose durchgemacht haben. Das inszenatorische Motiv moralischer ...
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