«Singen ist das Natürlichste der Welt»

An Fachgrenzen hat sie sich nie gehalten, ihr Repertoire reichte vom Barock bis in die Gegenwart – eine Hommage an die britische Mezzosopranistin und Gesangspädagogin Anna Reynolds

Sie hat nie Zeit. Sie zu treffen gleicht ­einem logistischen Kunststück. In ihren Siebzigern ist sie umtriebiger denn je. Sieben Tage in der Woche ist das Haus gefüllt mit Gesangsschülern: «Was soll ich denn am Sonntag tun, wenn ich keine Menschen um mich habe? Unterrichten macht viel mehr Spaß als Sport oder Spazierengehen.

» (lacht) Nachwuchssängerinnen und Sänger, international bekannte Solisten, aber auch Amateure erhalten bei Anna Reynolds nicht nur Gesangsunterricht, sondern werden obendrein bekocht, manche übernachten sogar in dem großen alten Haus, das Reynolds mit ihrem Mann, dem Tenor Jean Cox, bewohnt. Sie hat viel weiterzugeben.
Ihre Karriere als Mezzosopranistin führte Anna Reynolds von ihrer Heimat England nach Italien und von dort in alle Welt. Zwischen 1958 und 1978 hat sie auf allen wichtigen Bühnen und ­unter den bedeutendsten Dirigenten der Zeit gesungen. Die mit «K» waren die wichtigsten für sie: Josef Krips, Rafael Kubelik, Paul Kletzki, Herbert von Karajan und – Karl Richter. Mit dem Münchner Bach-Spezialisten konnte sie am bes­ten. Bei vielen seiner Einspielungen war sie mit von der Partie. «Karl Richter – den habe ich geliebt! Das war ein wunderbarer Mann. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2007
Rubrik: Retrospektive, Seite 68
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verdi: Nabucco

Verliebt habe sie sich in das Magdeburger Ensemble, strahlt Vera Nemirova im Foyer. Deshalb sei sie zur dritten Vorstellung extra noch einmal für einen Grill­abend angereist. Glückliches Magdeburg.
Denn Nemirovas Chor- und Personenregie stimmt. Der Politbüro-Chic ihres Bühnenbildes (von Tom Musch) gibt dem Babylonier-Schinken den kühlen Charme einer sozialen...

«Was Wunder wimmerst du hier?»

An Wagners abstoßendem Antisemitismus kann es keinen Zweifel geben. Bis heute wird jedoch kontrovers diskutiert, ob sich dieser Antisemitismus auch in seinem musikdramatischen Werk niederschlägt. Im Richard-Wagner-Handbuch von 1986 verficht der Literaturwissenschaftler und Wagner-Kenner Dieter Borchmeyer mit aller Leidenschaft und in erklärter Wendung gegen Theodor...

Zu schön, um wahr zu sein

Über dem Jugendstilportal des Gießener Stadttheaters ist bis heute in Goldbuchstaben festgehalten, wofür die Bauherren ihr Geld ausgaben: «Ein Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns». Hundert Jahre ist das Haus alt und inmitten der im Zweiten Weltkrieg völlig zerbombten Stadt ein architektonisches Solitär. Die Oper, die Intendantin Catherine Miville zum Jubiläum...