Elektra
Frau Herlitzius, Ihr Operndebüt absolvierten Sie mit 30 Jahren relativ spät. Brauchen große Stimmen länger?
Ja, natürlich. Das Wissen darum scheint allerdings etwas verloren gegangen zu sein ... Es ist ja ein gewaltiger Unterschied, ob Sie eine Vespa fahren oder einen Schwerlaster. Und das Ziel ist, den Schwerlaster genauso flexibel zu lenken wie die Vespa. Es geht darum, die ganze Bandbreite einer Stimme, die Farben und Dynamik aufzuschließen.
Fast alle großen Stimmen, die ich kenne, verfügten am Anfang nur über ungeordnetes, formloses Material, das heftig nach oben oder unten ausschlug. Oft handelt es sich dabei um sogenannte «kurze» Stimmen, denen es zunächst mal an Schönheit und Liebreiz mangelt. Das entwickelt sich erst im Zuge der Ausbildung – und dauert im Schnitt sechs Jahre. Man braucht dafür Ruhe und Zeit, auch für «Irrwege». Deshalb halte ich den Bachelor-Studiengang für Sänger für höchst problematisch.
Wie sah Ihr Material aus?
Als ich mit dem Singen anfing, hatte ich ein zweigestrichenes G und ein eingestrichenes C. Zur Aufnahmeprüfung habe ich dann Blondchen (mit dem hohen E) und Verkaufte Braut gesungen, hätte aber auch Orpheus singen können. Im Studium dann die ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Kai Luehrs-Kaiser, Albrecht Thiemann
Niemals in der Musikgeschichte hatten Triangel-Spieler so viel zu tun wie in der französischen Oper des 19. Jahrhunderts. In den Ouvertüren zu Daniel-François-Esprit Aubers «La Muette de Portici» wie auch zu Georges Bizets «Le Docteur Miracle» ist der Spieler des zweifach gebogenen Metallstäbchens geradezu im Dauereinsatz. Darin erschöpfen sich allerdings auch...
Die Tragödie ist so gut wie vergessen. Am 1. März 1954 geriet der japanische Fischer Aikichi Kuboyama nach einem Nukleartest der amerikanischen Marine unweit des Bikini-Atolls mit 22 anderen Seeleuten in einen radioaktiven Ascheregen. Ein halbes Jahr später war er tot. Das erste Opfer der Wasserstoffbombe. Eine Sekunde hielt die Welt den Atem an, dann ging sie zur...
Ein Selbstläufer sei gerade dieser erste Akt, heißt es. Nicht nur wegen Wagners detaillierten Libretto-Anweisungen, sondern auch, weil die Musik extrem gestisch ist. Unerhört, minutiös aufgedröselt – und dabei so ungemein gefährlich. Das alles kann zum Mickey Mousing verführen. Es sei denn, da hört einer genau hin. Und bringt das Ganze auf die Bühne mit dem...
