Genf: Wohldosiertes Heldentum

Wagner: Die Walküre (Genf / Grand Théâtre)

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Ein Selbstläufer sei gerade dieser erste Akt, heißt es. Nicht nur wegen Wagners detaillierten Libretto-Anweisungen, sondern auch, weil die Musik extrem gestisch ist. Unerhört, minutiös aufgedröselt – und dabei so ungemein gefährlich. Das alles kann zum Mickey Mousing verführen. Es sei denn, da hört einer genau hin. Und bringt das Ganze auf die Bühne mit dem Geschmack, der Musikalität, vor allem dem Selbstbewusstsein des Theatermachers, der sich und der nach Neuem gierenden Opernszene nichts mehr beweisen muss.

In Genf ist das gerade passiert.

Denn so lyrisch, so intim, so berührend in seiner Natürlichkeit, so offen und einladend zum eigenen Nach- und Mitdenken hat man den ersten Aufzug und weite Teile der folgenden «Walküre»-Akte selten erlebt. Regisseur Dieter Dorn ist das zu verdanken, der hier sein auf mehrere Monate gestaffeltes «Ring»-Projekt fortsetzt, aber auch Dirigent Ingo Metzmacher. Der macht aus akustischer Not eine Tugend: Das Grand Théâtre klingt wie unterleibslos, die satte Grundierung fehlt. Ein Haus geschaffen für Kammermusikalisches, nicht für Eruptives.

Folglich interessiert sich Metzmacher für die Feinmechanik der Partitur. «Modern», dieses Etikett wurde seiner ...

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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Markus Thiel

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