Nach innen glühend
Schon das erste Bild macht frösteln: In tiefster Schwärze liegt die riesige Bühne der Bastille-Oper zu Beginn von «Simon Boccanegra». Weißes Licht aus diffusen Quellen vereist den Blick, den ein gigantischer Schiffsrumpf bannt, der sich immer mächtiger auf die Drehbühne schiebt. Ein Kriegsschiff wohl, anscheinend noch im Bau, die metallene Außenhaut ist noch nicht geschlossen. Ins Innere führen steile Montagetreppen.
Doch im Verlauf der folgenden drei Akte häutet sich der monströse Pott nach und nach; am Schluss kreist nur noch das kahle Gerippe, ohne dass sich die Bühnennacht ein einziges Mal aufgehellt hätte.
Eine starke, in ihrem Minimalismus zwingende Bildidee hat Susanne Gschwender da auf die Bühne gewuchtet. Kein Genueser Lokalkolorit, weder Patriziersalons noch Ratssäle, aber eben auch kein heutiges Prekariats-Szenario, in das Regisseur Calixto Bieito sonst historische Stoffe gern zu verlegen pflegt. Tatsächlich scheinen die wilden Zeiten endgültig passé. Bieito fährt seine Regiemittel konsequent zurück auf eine hochkonzentrierte, schnörkellose Personenführung, in der jede Geste sitzt und jeder Blick trifft. Hass und Liebe, Missgunst und Rache glühen nach innen, die ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Regine Müller
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