Wie im Rausch

Offenbach: Les contes d’Hoffmann
Berlin | Deutsche Oper

Opernwelt - Logo

Auf dem Boulevard nachts um halb eins. Eine  illuster-sinistre Männerrunde hat sich versammelt, Studenten sind’s, dem Anschein nach aus gehobenem Hause, die seidenschwarzen Paletots und eleganten Zylinder verraten aristokratische Herkunft. Ganz gegenteilig aber die Gesinnung der feinen Herren. Sie sind gekommen, um bei «Lutter & Wegner» ihre Kehlen zu kühlen und prickelnde Unterhaltung zu genießen.

Entsprechend aufgeräumt begrüßen die Connaisseure der klingenden Künste den unglücklichen Hoffmann, der mit seiner als Freund Nicklausse verkleideten Muse erschienen ist, und fordern ihn auf, ein Ständchen zu geben. Gewünscht, getan: Der Dichter singt die Ballade von «Klein Zack». Tosender Applaus. Aber sogleich erwächst der Wunsch nach mehr «Stoff». Die Affen wollen Zucker. Und sie kriegen ihn.

Doch nicht nur sie. Auch das Publikum der Deutschen Oper Berlin wird in den folgenden vier Stunden reichlich verwöhnt – in erster Linie von einem Bühnenbild, das gleichermaßen fantastisch wie hochkompliziert zu bedienen ist. Chantal Thomas heißt die Künstlerin, die es für Jacques Offenbachs «Les contes d’Hoffmann» ersann. Und sagen wir es rundheraus: Dieses (Wandel-)Bild ist ein Meisterwerk der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Apropos... Extreme

Frau Sun, Ihr jüngstes Projekt «Kolik» ist eins der extremsten Stücke seit Langem. Sie sind darin als Sängerin, Schauspielerin und Stimmperformerin gefordert. Was macht den Reiz einer solchen Arbeit für Sie aus?
Zunächst die Tatsache, dass der Protagonist im Original-Monolog ein Mann ist. Dann die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten, ihre Gegensätzlichkeit. Ich...

Sängerfest

Zwei literarische Quellen, die anno 1818 in Venedig vor dem Hintergrund des Systems Metternich politisch opportun waren, standen Pate für Gaetano Donizettis erste szenisch aufgeführte Oper, den heroischen Zweiakter «Enrico di Borgogna»: August von Kotzebues Drama «Der Graf von Burgund» und Pietro Metastasios Erfolgslibretto «Il re pastore». Beide Vorlagen behandeln...

Letzte Bastion

Die 1823 in Venedig uraufgeführte «Semiramide» ist die letzte, größte und – mit fast vier Stunden Spieldauer – längste Oper, die Rossini für Italien schrieb. Das verworrene Sujet um die babylonische Königin Semiramis, die mit Hilfe ihres Geliebten Assur ihren Gatten Nino getötet hat und an seiner Stelle regiert, bevor schließlich ihr Sohn Arsace den Vater rächt,...