Wie im Rausch
Auf dem Boulevard nachts um halb eins. Eine illuster-sinistre Männerrunde hat sich versammelt, Studenten sind’s, dem Anschein nach aus gehobenem Hause, die seidenschwarzen Paletots und eleganten Zylinder verraten aristokratische Herkunft. Ganz gegenteilig aber die Gesinnung der feinen Herren. Sie sind gekommen, um bei «Lutter & Wegner» ihre Kehlen zu kühlen und prickelnde Unterhaltung zu genießen.
Entsprechend aufgeräumt begrüßen die Connaisseure der klingenden Künste den unglücklichen Hoffmann, der mit seiner als Freund Nicklausse verkleideten Muse erschienen ist, und fordern ihn auf, ein Ständchen zu geben. Gewünscht, getan: Der Dichter singt die Ballade von «Klein Zack». Tosender Applaus. Aber sogleich erwächst der Wunsch nach mehr «Stoff». Die Affen wollen Zucker. Und sie kriegen ihn.
Doch nicht nur sie. Auch das Publikum der Deutschen Oper Berlin wird in den folgenden vier Stunden reichlich verwöhnt – in erster Linie von einem Bühnenbild, das gleichermaßen fantastisch wie hochkompliziert zu bedienen ist. Chantal Thomas heißt die Künstlerin, die es für Jacques Offenbachs «Les contes d’Hoffmann» ersann. Und sagen wir es rundheraus: Dieses (Wandel-)Bild ist ein Meisterwerk der ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Jürgen Otten
Der 1. Oktober 2013 war ein schwarzer Tag im Opernbetrieb der USA. An jenem Dienstag erklärten die Verantwortlichen der New York City Opera die Zahlungsunfähigkeit des Hauses und kündigten die Schließung an. Sieben Jahrzehnte waren damit Geschichte, zugleich war die Abwicklung krasses Sympton einer allgemeinen Krise. Wie die US-amerikanischen Symphonieorchester...
Herr Padmore, Sie haben nie ein Hehl daraus gemacht, dass Sie keine große Stimme haben. Wenn ich jetzt sage: «Ihre Karriere ist das Ergebnis einer grandiosen Kompensation», stehen Sie dann gleich wieder auf und gehen?
(lacht) Wenn ich einen tollen Klang hätte, würde ich ihn einsetzen, keine Frage. Aber wie die Dinge liegen, muss ich eben behaupten, darauf kommt es...
Draußen, vor der Tür, die Kälte. Eisige Winde, Regenfäden, grauschwerer Himmel. Drinnen, im Ballettprobensaal, das Gleiche, nur in anderen Farben, Formen, Figuren. Eine Stiefmutter, deren Seele so schwarz ist wie ihr Kleid, zwei Stiefschwestern in blaustrümpfiger Blödheit, mit geflochtenen Zöpfen auf dem Kopf und Gemeinheiten im Gehirn. In ihrer Mitte die...
