Einer von uns

Kein Elend, nirgends: Alban Bergs «Wozzeck» in Freiburg und Mannheim

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Elends-Ambiente, die blanke Not gibt es weder in Freiburg noch in Mannheim. Beide «Woz­zeck»-Inszenierungen, die von Markus Lobbes in Süd- wie die von Olivier Tambosi in Nordbaden, munitionieren sich nicht im sozialen Umfeld der Gestalten. Ihre Ortlosigkeit ist total. Gottfried Pilz’ Mannheimer Bühne ist ganz leer: Sand, nichts als Sand, ein Hauch von Zirkus, von Arena. Die Mechanismen, denen Wozzeck erliegt, werden regelrecht vorgeführt. Zwischenvorhänge erledigen das Nötigste bei den Szenenwechseln, An­dreas Rehfelds sensible Führung des Lichts tut ein Übriges.

Dirk Beckers Freiburger Bühne, seitlich bis zu den Brandmauern offen, ist ganz voll – mit Ti­schen, Stühlen und Papierkörben in klinischem Weiß. Ein Labyrinth, aus dem Woz­zeck, den ganzen Abend über zwischen allen Stühlen, nie herauskommt. Wenn er davoneilt, hetzt er von Tisch zu Tisch, hockt sich nieder, hetzt weiter, ein Getriebener, ein – wie alle – adrett gekleideter, keineswegs abgerissener Mensch.
Sein Mannheimer Kollege scheint noch viel weniger zu darben: Er trägt, ebenfalls wie alle, einen grau gemusterten Einheitsanzug. Alltagsmenschen, Normalfälle, keine Exoten. Anonyme Gestalten, die sich aus dem Parkett, ...

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Opernwelt Juni 2005
Rubrik: im focus, Seite 12
von Heinz W. Koch

Vergriffen
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