«Vielleicht komponiere ich irgendwann eine Oper»

Die Sopranistin Georgina Lukacs über Alternativen zur Sängerkarriere, gefähliche Parien sowie Glanz und Elend ambitionierter Regie

Opernwelt - Logo

Frau Lukacs, Sie waren gerade zwanzig Jahre alt, als Sie ihr Debüt an der Buda­pester Staatsoper gaben – als Leonora in «Il trovatore». In diesem Alter beginnen die meisten gerade erst ihr Gesangsstu­dium. Waren Sie ein Wunderkind?
Nein, eigentlich nicht. Ich wollte überhaupt nicht Sängerin werden. Ich dachte immer, Sänger sind keine «richtigen» Musiker. Ich habe Komposition studiert, ich wollte Opern schreiben, nicht singen. Aber dann hat mich jemand singen gehört.

Es war wie in hunderten anderer Biografien, die alte Geschichte: «Du musst deine Stimme ausbilden lassen! Vergiss alles andere, werde Opernsängerin.» Also ging ich nach Moskau ans Tschaikowsky-Konservatorium. Und es lief gut, sehr gut. Das Lernen fiel mir sehr leicht, meine Stimme entwickelte sich schnell. Und eines Tages bekam ich diesen Anruf aus Budapest: «Können Sie heute abend als Leonora im ‹Trovatore› einspringen?» Ich hatte gerade vor drei Wochen begonnen, die Partie zu studieren. Ich wollte an der Budapester Staatsoper singen. Also hab ich zugesagt und mein Debüt gegeben. Es war das erste Mal, dass ich ein Opernhaus von innen gesehen habe. Ich erinnere mich noch, wie ich vor der Vorstellung durch Budapest lief ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: interview, Seite 36
von Jochen Breiholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Klassiker und Fundstücke aus den frühen Fünfzigern

Zwei Klassiker der Mono-Ära, die Decca- «Salomé» unter Clemens Krauss (1954) und «Hänsel und Gretel» unter Herbert von Karajan (EMI, 1953), wurden jetzt bei Naxos neu aufgelegt, auf der Grundlage der britischen Original-LPs von Mark Obert-Thorn restauriert. Krauss führt das Riesenorchester von Strauss zu kammermusikalischer Klarheit und Leichtigkeit, ohne der...

Mascagni: Cavalleria rusticana/Leoncavallo: I pagliacci

Mit ihrer neuen Produktion beweist die Deutsche Oper Berlin Kontinuität: Auf der Bühne dominieren große Namen, im Graben gibt der soundsovielte Top-Kandidat für die Thielemann-Nachfolge den Takt an, im Saal werden Bravi und Buhs unberechenbar ausgeteilt. Was David Pountney und sein Ausstatter Robert Innes Hopkins als bewährtes «Cavalleria/ Pagliacci»-Doppel...

Der Schurke als Tenor

Nach Donizettis Dogendrama «Marin Faliero», das vor zwei Jahren im venezianischen «Teatro Malibran» zu neuem Leben erweckt wurde, hat sich das «Teatro La Fenice» nun der ebenfalls halbvergessenen «Pia de‘ Tolomei» angenommen – eine weitere Trouvaille. Im Jahr 1836 bei Donizetti und dem neapolitanischen Routinelibrettisten Cammarano in Auftrag gegeben, sollte dieses...