Kugelgestalt der Zeit
Die Kugelgestalt der Zeit, das Über-, Mit- und Durcheinander von (Vor-)Gestern und Morgen: Wäre das ein Konzept für die Oper der Zukunft? Christoph Cech suchte dieses Prinzip bei der Neuen Oper Wien an «Orfeo» zu realisieren. Seine Schöpfung geriert sich als Palimpsest, das Spuren von Monteverdi mit zeitgenössischen Mitteln überschreibt. Vom Cremoneser Altmeister blieben Ablauf und Texte sowie ein Großteil der Gesangsstruktur.
Cech steuerte heutige Perspektiven sowie ein avanciertes Instrumentarium bei, darunter Synthesizer, E-Bass und E-Gitarre – letztere als modernes Äquivalent zu Orpheus’ Lyra.
Herausgekommen ist eine etwas amorphe Mixtur von Seicento, Third Stream und Postmoderne, die jedoch vom Dirigenten Walter Kobéra und dem «amadeus ensemble» bei dieser Uraufführung in einer ehemaligen Straßenbahnremise subtil verwaltet wird. Auch die Sänger sind Cechs engagierte Advokaten, voran der weiß timbrierte, aber flexible Alexander Kaimbacher in der Titelpartie. Der Schluss verbindet den antiken Mythos, die Zerfleischung des Orpheus durch die Bacchantinnen, mit Monteverdis Lieto fine: Der Sänger wird durch Apoll zum Gott erhöht, und zwar aus dem Off. Carlos Wagners über weite ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Covent Gardens neuer «Ballo in maschera» ist eine Mogelpackung. Oder, netter gesagt, ein gescheitertes Experiment. Auf dem Papier liest sich das noch viel versprechend, allerdings auch da nur auf den ersten Blick. Die Hauptpartien sind mit Karita Mattila, Marcelo Alvarez und Thomas Hampson luxuriös besetzt, alle drei geben ihr Rollendebüt. Und alle drei wären...
Einen Monat nach Italo Montemezzis erfolgreicher Uraufführung von «L’amore dei tre re» an der Mailänder Scala 1913, die jetzt als Koproduktion mit dem Theater Erfurt in Turin herauskam, sorgte Strawinskys «Sacre du Printemps» in Paris für einen Skandal. Hier wie dort gibt es ein tragisches Frauenopfer – blutrünstiges Modethema vor dem Ersten Weltkrieg. Montemezzi...
Die Rolle ist der Traum jedes Tenors und der Alptraum jedes Intendanten: Vermutlich gibt es derzeit selbst in der A-Klasse der Tenöre keinen Manrico, der aus dem diskografischen Schatten Franco Corellis oder des jungen Domingo heraustreten könnte. Auch für Zoran Todorovich, der sein Repertoire und seine Stimme in den letzten Jahren durch Rollen wie Pollione und Don...
