Mortier Award 2014

Opernwelt - Logo

Er war ein glücklicher Sisyphos. Einer, der sich nie entmutigen ließ. Selbst von der tödlichen Krankheit nicht, die ihn befallen hatte. Gerard Mortier ahnte, dass er den 31. Mai womöglich nicht mehr erleben würde. Den Tag, an dem wir ihm in Graz den ersten «Mortier Award» überreichen wollten: eine von Alexander Polzin geschaffene «Sisyphos»-Figur. Aber natürlich wollte er kommen. Es ist anders gekommen. «Wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Aber man muss es versuchen.

» Das war die Maxime, unter der Europas einflussreichster Musiktheater- und Festspielintendant immer wieder das Unmögliche möglich machte. Als Anwalt der Künste, als Freund der Künstler. «Ich habe ihn nicht einmal laut und schon gar nicht verletzend gehört. Er konnte scharf sein, wenn Autorität gefragt war oder Unverschämtheit und Dummheit in die Schranken gewiesen werden mussten, aber auch dann ging es ausschließlich um die Sache, nie gegen den Menschen», sagte Michael Haneke anlässlich der von «Opernwelt» und «Ring Award» initiierten posthumen Hommage im Grazer Schauspielhaus. Sylvain Cambreling, der engste Gefährte Gerard Mortiers auf allen Kunst- und Lebenswegen, hat den bronzenen «Sisyphos» entgegengenommen. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Magazin, Seite 70
von

Weitere Beiträge
«Ali Baba» war nur der Anfang

Französische Operette, das ist in Deutschland fast immer Jacques Offenbach. Der aber war ja eigentlich Kölner und starb bereits 1880, als das Genre stilistisch gerade in voller Blüte stand. Zu Offenbachs Zeit war aber auch ein gewisser Florimond Ronger, genannt Hervé, sehr beliebt, zu dessen bekanntesten Stücken «Le petit Faust» und «Mam’zelle Nitouche» gehören....

Andeuten, Ahnen, Verschweigen

Düsternis liegt auf der Bühne, graue Schlieren schwärzen sich nach und nach ein. Drei Podeste, nach hinten gestaffelt, heben und senken sich, ­gegeneinander versetzt. Auf dem mittleren steht Otello, das sturmgepeitsche Meer fest im Blick. Man meint die perlende Gischt auf der Haut zu spüren, während der Chor um die heile Rückkehr des Kommandanten und seiner...

Frisch zum Kampfe

Diese Salzburger Werke-Ambition klingt nach ihm. «Jonny spielt auf», «Pilger von Mekka», «Eugen Onegin», «La clemenza di Tito»: Das hätte einst auch Gerard Mortier zu einer Sommersaison zusammenschnüren können. Doch verantwortlich dafür sind andere. Jene, die sich gegen die übermächtigen und ständigen (ob im Januar, zu Ostern, Pfingsten oder im August)...