Eine Pfütze namens Meer
Nach der Pause geht die halbe Reihe hinter uns geschlossen nach Hause. Als ob die Musik von Benjamin Britten 80 Jahre nach der Uraufführung von «Peter Grimes» noch anecken würde. Oder empört im 21. Jahrhundert ernsthaft das moralisch Graue? An der Umsetzung kann dieser Unmut nicht liegen. Robin Davis, der neue GMD der Bielefelder Philharmoniker, zeigt, dass Britten nicht nur emotional komplexes Musiktheater, sondern auch Theatermusik geschrieben hat. An manchen Stellen vergisst man, dass die famosen Sängerdarsteller überhaupt singen.
Matthew Wild wiederum gelingt der in Verbindung mit dem Werk oft beschworene Opernkrimi, und er holt weitere Leichen aus den Kellern des verrotteten Fischerdorfs.
Das Meer ist eine Pfütze, ein stygisches Rinnsal, das die Bühne teilt, dezent und doch omnipräsent vorhanden ist, in der Musik, in den Gummistiefeln, im Fisch, im verhärmten Grau der Trenchcoats. Der Regisseur und sein Team beweisen großes Gespür für Rhythmus. Selbst beim Umbau der minimalistischen Wände von Bühnen- und Kostümbildner Conor Murphy wird nichts dem Zufall überlassen, Komplexes en passant erzählt: Die Industrialisierung hat die Fischerei zu einer Zunft für Träumer und Verlierer ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Anna Chernomordik
Alles, was wir verstehen, ist nichtig, und groß und bedeutungsvoll allein, was wir nicht begreifen» – Tolstois Bekenntnis zum Irrationalismus dürfte heutzutage nur noch wenig Zustimmung ernten, in Bezug auf den «Don Giovanni» ist seine Ansicht aber nicht so leicht von der Hand zu weisen. Sollte die singuläre Größe dieser Oper tatsächlich darauf beruhen, dass...
Der Pfad ins Paradies, wir wissen es spätestens seit Erscheinen von Dante Alighieris «Divina Commedia», einem der maßgeblichen Texte der europäischen Kulturgeschichte, ist verschlungen, steinig und steil. Und er führt, jedenfalls bei Dante, durch die Hölle und das Fegefeuer. Wer das ersehnte Elysium (welcher Provenienz auch immer es sein mag) wirklich ohne Wunden...
Gott, welch Dunkel hier! Als wären wir zu Gast im Schattenreich der Nyx, wo totale Finsternis herrscht, Licht nur in seiner trübseligsten Form Zugang zu finden vermag (und singende Kinder gar keinen Zutritt haben) und wo nun auch die Untoten das Sagen haben. Schon vor dem ersten Ton sieht man sie hin und her schleichen um die «Kirche des Gewesenen» – entleerte...
