Zwischen Himmel und Hölle
Der Pfad ins Paradies, wir wissen es spätestens seit Erscheinen von Dante Alighieris «Divina Commedia», einem der maßgeblichen Texte der europäischen Kulturgeschichte, ist verschlungen, steinig und steil. Und er führt, jedenfalls bei Dante, durch die Hölle und das Fegefeuer. Wer das ersehnte Elysium (welcher Provenienz auch immer es sein mag) wirklich ohne Wunden erreichen will, muss entweder sehr eng mit Fortuna im Bunde oder strengstgläubig sein. Vielleicht sogar beides. Und selbst das ist noch keine Garantie für Glück.
Der Mensch befindet sich zeitlebens in Not, und im Grunde ist nur der Tod imstande, ihn aus dieser Not zu befreien. Klingt zynisch. Aber nur dann, wenn man den Gegebenheiten der Existenz aus dem Weg geht.
Giorgetta und Michele, die zentralen Protagonisten in Puccinis Einakter «Il tabarro», zählen nicht zu denen, die verdrängen. Sie wissen um ihre gemeinsame, tragische Vergangenheit, um die Tristesse der Gegenwart, die Utopielosigkeit der Zukunft. Der Tod ihres Kindes hat sie entzweit, da ist von Liebe keine Spur mehr, nicht mal von Leidenschaft. Es regiert die pure, kaltherzige Aussichtslosigkeit, die am Theater Kiel, wo Pier Francesco Maestrinis Inszenierung aus ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Jürgen Otten
Harald Schmidt treibt sich gern in Opernhäusern herum. Am liebsten in solchen, die in schönen Städten stehen, wie er beim Künstlertreffen nach der Aufführung freimütig zugibt. Graz ist eine schöne Stadt. Deshalb ist Schmidt hier. Aber wohl auch wegen des Stücks, in dem er mitwirkt und das mit seinem leisen Spott sehr gut zu ihm passt, Schostakowitschs Operette...
Ende Oktober 2025: Nach zwei Jahren kreativem Schreibprozess beginnen nun endlich die szenischen Proben unserer Uraufführung am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Eine neue Operette schreiben zu dürfen, ist für uns als Autorin und Autor – als Komponistin und Librettist – ein riesiges Geschenk mit Schleife. Philipp hegt schon lange diesen queeren Walzertraum, der...
Das höchste Lob für Irmgard Seefried stammte aus dem Mund von Elisabeth Schwarzkopf: «Wir alle beneideten sie, dass alles, was wir uns mühselig erarbeiten mussten, bei ihr so natürlich und selbstverständlich wirkte. Sie verstand es, mit dem Herzen zu singen.» Kühle Perfektion, Schönheit als Selbstzweck waren nie ihre Sache. Ein Star wollte sie nicht sein. Seefried...
