Die Verdammten
Gott, welch Dunkel hier! Als wären wir zu Gast im Schattenreich der Nyx, wo totale Finsternis herrscht, Licht nur in seiner trübseligsten Form Zugang zu finden vermag (und singende Kinder gar keinen Zutritt haben) und wo nun auch die Untoten das Sagen haben. Schon vor dem ersten Ton sieht man sie hin und her schleichen um die «Kirche des Gewesenen» – entleerte Seelen, die längst alle Hoffnung haben fahren lassen, mit weißen Masken und Totengräberkleidern, denen sich später ein Chor aus bleichen Sängerinnen und Sängern hinzugesellen wird.
Ein Wunder ist es nicht: In der Stadt des Todes können schöne Gefühle kaum gedeihen, und wenn sie es dann doch einmal tun, dann nur für wenige Augen -blicke. Die Möglichkeit der Liebe, sie existiert im Grunde kaum in diesen «heiligen» Hallen, zumindest nicht am Staatstheater Mainz, wo Korngolds Geniestreich 125 Jahre nach der doppelten Uraufführung (in Hamburg und Köln) erstmals überhaupt zu bestaunen ist.
Die Ausstatter Timo Dentler und Okarina Peter haben auf die Bühne des Staatstheaters ein schiefes Holzhaus gesetzt, das seine Hermetik bald aufgibt, weil sich die einzelnen Teile selbstständig machen und wie magische Module durch den Raum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten
Georges Aperghis beteuerte gern, dass sich in seinen Gedanken beim Komponieren «immer so ein kleines imaginäres Theater» abspiele. So auch bei den Donaueschinger Musiktagen 2025, wo seine «Tell Tales» uraufgeführt wurden, eine Art virtuelles Musiktheater. Eine Viola und sechs Stimmen erzeugen darin eine Geschichte mit den Mitteln polyphoner Klanginterventionen –...
Dass Wagner auch an kleineren Häusern funktioniert, ist am Klagenfurter Stadttheater längst bewiesen. Der 1910 eröffnete Musentempel im klassizistischen Stil mit elegant platzierten Jugendstil-Elementen hat bereits einen kompletten «Ring» mit Erfolg gestemmt und setzt selbstbewusst nun auch «Tristan und Isolde» zur Saisoneröffnung auf den Spielplan. Die...
Giuseppe Verdis «Aida» gilt als Festtagsstück selbst noch unter den großen Extrachor- und Extra-Bläser-Opern. Das hat sie vor die Pyramiden von Gizeh gebracht und bringt sie alljährlich in die Arena von Verona und ohnehin auf Freilichtbühnen aller Art, sofern der Platz und die musikalischen Kräfte reichen. Vor diesem Hintergrund ist es ganz solide, dass sie auch...
