Gegen das Gegröle
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust – auf dem Cover ihres Albums «Rondos for Adriana» bringt Adriana González Fausts legendären Seufzer sinnfällig ins Bild. Mit dem Lächeln Mona Lisas posiert die 35-jährige Sopranistin mal in weißer, mal in schwarzer Robe und macht so das bianco e nero des «Canto di sbalzo» sichtbar. Ein Stil, der zu Mozarts Zeiten ungemein populär war und sich durch große Kontraste auszeichnete, was wiederum als Spezialität der Sopranistin Adriana Ferrarese del Bene galt.
Eben diese Ferrarese, Mozarts erste Fiordiligi, inspirierte die Sopranistin und Vornamensschwester Adriana González zum vorliegenden, superben Recital.
Ferrarese del Bene hatte einen sagenhaften Ruf, vor allem ihres Stimmumfangs wegen, nicht zuletzt in Wien, wo sie ab den späten 1780er-Jahren der kaiserlichen Hofoper angehörte. Doch sie bekam auch uncharmante Kritik zu spüren. Zwar war das Wort «Bodyshaming» damals nicht geläufig, es war jedoch durchaus ein Verfahren der Kritik. Das exzellente Booklet zitiert einen gewissen Friedrich Schulz aus dem Baltikum, der die Bühnenerscheinung der Ferrarese mit einer watschelnden Ente verglich. Und Kaiser Joseph II. duldete zwar ihr Engagement an der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 36
von Gerhard Persché
Beginnen wir mit einer persönlichen Erinnerung – einer Begebenheit, die sich vor mehr als 25 Jahren zutrug. Es war Frühling in Buenos Aires. Die Jacaranda-Bäume am Rande der belebten Plazas blühten, auf den vierspurigen Avenidas küssten sich die Stoßstangen, und in den U-Bahnen stand man so hauteng beieinander, dass es schier unmöglich war, sich nicht in...
Ein Ehrentag, den ich am liebsten vergessen will», sagte er damals gespielt genervt. «Wer möchte schon 80 sein?» Zubin Mehta hat sich damit abfinden müssen. Auch damit, dass er um den 29. April dieses Jahres besonders viel zu tun bekommt: Ob Wiener Philharmoniker, Staatskapelle Berlin oder Bayerisches Staatsorchester – alle wollen sie seinen 90. Geburtstag feiern,...
Kopf und Körper bandagiert, an den Rollstuhl gefesselt, Brille: Eine lebende Mumie ist dieser Mann, wie implantiert aus einem Beckett-Stück. Und auch die schnelle Verjüngung dank teuf -lischer Mächte ändert wenig: Aus diesem Endspiel in Kriegszeiten findet Faust nicht mehr heraus. Das Jenseits bleibt allgegenwärtig. Weiß Geschminkte wandeln wie lebende Tote durch...
