Du edles Angesicht!

Johannes Erath inszeniert Astor Piazzollas «María de Buenos Aires» in Düsseldorf als Requiem für eine Hure und Heilige, Mariano Chiacchiarini tanzt dazu im Graben Tango Argentino

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Beginnen wir mit einer persönlichen Erinnerung – einer Begebenheit, die sich vor mehr als 25 Jahren zutrug. Es war Frühling in Buenos Aires. Die Jacaranda-Bäume am Rande der belebten Plazas blühten, auf den vierspurigen Avenidas küssten sich die Stoßstangen, und in den U-Bahnen stand man so hauteng beieinander, dass es schier unmöglich war, sich nicht in irgendeiner Form zu reiben. Auch auf der Calle Florida war das nicht anders. Nur eben doch ganz anders.

Dort tanzten sie Tango, auf offener Straße, Hüfte an Hüfte, Kopf neben Kopf, Fuß über Fuß, und doch so distanziert, als seien sie Fremde in der Glut des Nachmittags. Später am Abend, in einer grauen Seitenstraße im Viertel Palermo, wurde noch deutlicher, worin die Faszination dieses Tanzes bestand. Ein Tango-Club, kaum zu entdecken, so versteckt lag der Eingang, und als sich die Tür zu dem spärlich ein -gerichteten Etablissement öffnete, fand man sich plötzlich in einer ganz eigenen Welt. Männer um die 80 glitten da an der Seite von wesentlich jüngeren Frauen übers Parkett, mit einem Stolz, einer Würde, ja, mit einer Form triumphaler Erhabenheit, die nicht nur den Altersunterschied, sondern auch jede denkbare Hierarchie binnen ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Jürgen Otten

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