Eine Enttarnung
Hysterische Zwischenrufe während Theateraufführungen haben etwas von fäkalen Bauchlauten nach einem reichhaltigen Essen: Zwar kontaminieren sie die Atmosphäre, doch künden sie auch von intensiver Reaktion auf die Materie. Im Theater an der Wien, bei Verdis «Attila» in Peter Konwitschnys Inszenierung, gab es während der Premiere einen Entrüstungssturm, lautstarke Scharmützel zwischen Gegnern und Anhängern, auch manch verbales Gerülpse unter der Gürtellinie.
Eine renommierte deutsche Tageszeitung jubelte: Endlich wieder ein zünftiger Opernskandal!
In der hier beschriebenen dritten Vorstellung blieb es in dieser Hinsicht zivil; dafür kündete das Buch im Foyer, das normalerweise die Adressen von Informationsbedürftigen aufnimmt, vom Frust mancher Besucher – darunter auch solcher aus Italien. «Vergogna», Schande, hatte einer geschrieben, und natürlich das Übliche: «Povero Verdi!». Daneben ein etwas unleserlicher Name, den man auch als «Adorno» hätte entziffern können.
Kryptischer Hinweis eines Insiders? Der Philosoph war vor mehr als einem halben Jahrhundert in seiner «Einleitung in die Musiksoziologie» ja mit der Darstellbarkeit von Oper scharf ins Gericht gegangen: «Unablässig hat ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Gerhard Persché
Glanz und Elend Bayreuths sind beispielhaft an den zwei letzten Wiederaufnahmen abzulesen: auf der einen Seite «Tannhäuser», der schon 2011 ein Debakel war und leider noch verschlimmbessert wurde; auf der anderen Seite «Lohengrin», der auch in seiner vierten Saison faszinierend, vielsagend, sehens- und hörenswert, rundherum festspielwürdig ist. Schade, dass...
Der Fortbestand des Opernensembles der Wuppertaler Bühnen ist gefährdet. Der designierte Opernchef und Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka, der das Sinfonieorchester Wuppertal bereits von 2004 bis 2009 als Chefdirigent leitete, will in Zukunft laut Medienberichten auf ein festes Sänger-Ensemble verzichten. Erst vor vier Jahren war das Opernhaus im Stadtteil...
Achtzehn Koproduzenten weisen die fünf Premieren des Festivals in Aix-en-Provence diesen Sommer auf. Da schwant einem nichts Gutes. Das nach Salzburg und Bayreuth bedeutendste Opernfest in Europa als routinierte Probebühne für das, was in der folgenden Saison über die gesammelten Musiktheater-Bühnen tingelt? Oper – auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht? So...
