Eine Art kreativer Exorzismus
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
Katzenvideos gehen immer. Im Foyer des Theaters Kiel sitzt man an diesem Abend in gemütlichen Sesseln und etwas abgewetzten Sofas beieinander und genießt Cat-Content der jüngeren Pop-Kultur. «Meeeow!», maunzt ein junges Kätzchen in die Kamera. Mit ein paar Beats, Gitarrenakkorden und sehr viel auto tune wird ein Song daraus – der virale Hit «I go meow» des südafrikanischen Musikers David Scott. Unter dem Künstlernamen The Kiffness sammelt er Katzenlaute aller Art und legt Text und Musik darunter.
So entstehen immer neue musikalische Nonsense-Miniaturen irgendwo zwischen digitalem Dadaismus und regressiver Postmoderne. The Kiffness hat 1,6 Millionen Follower auf Instagram, seine Videos wurden mehr als 9 Millionen Mal geklickt, 2024 ging er mit seiner Katzenmusik auf Tour, das Konzert im Berliner Astra Kulturhaus war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. The Kiffness mag nur einer von vielen schrägen Inter -net-Typen sein, eines aber hat er verstanden, wie kein anderer: In einer Zeit, in der jeder in seiner eigenen Medien-Bubble eine auf ihn zugeschnittene Version der Realität konsumiert, sind die samtpfötigen und doch kratzbürstigen Vierbeiner sozialer Klebstoff – sozusagen der ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Reportage, Seite 60
von Anna Schors
Epochenumbrüche gehen mit brutalen Verwerfungen einher. Der zwischen Antike und Mittelalter liefert hierfür ein Paradebeispiel. Das Römerreich fällt unter dem Ansturm von Völkern jenseits seiner Grenzen, angeführt etwa von Hunnenkönig Attila. Doch billigt ihm der Regisseur Leo Muscato als Einziger der Hauptfiguren in Verdis 1846 an La Fenice uraufgeführtem Frühwerk...
Der Plan war beinahe genial: eine Opiumhöhle in San Franciscos Chinatown. Der zwielichtige Inhaber Cim-Fen will sich in der Stadt nach oben kämpfen, gerät auf die schiefe Bahn, entführt ein Kind, wird zum Mörder des Nebenbuhlers, muss alles mit dem Leben bezahlen, und mittendrin Jonas Kaufmann. So hatte man sich dies an der Bayerischen Staatsoper eigentlich gedacht...
Der Mann war ein Unhold. Ihm mit Kunst zu «begegnen», darf als Wagnis gelten – welches aber, obschon auf verschiedenste Weise, gelingen kann. Bei den Filmfestspielen in Cannes kam Mitte Mai ein Film heraus, der vom «Verschwinden des Josef Mengele» erzählt – zunächst von dessen Flucht nach Südamerika, dem geheimen Besuch der BRD, von seiner Hochzeit in Argentinien,...
