Mustergültig

Vivaldi: Griselda KOPENHAGEN | ROYAL DANISH OPERA

Opernwelt - Logo

Antonio Vivaldis anno 1735 im Teatro San Samuele uraufgeführte «Griselda», sein einziges Bühnenwerk für Venedig, gehört trotz regelmäßiger Produktionen nicht zu den Spitzentiteln des Barockbooms. Aus woker und auch aus gelassenerer Perspektive auf patriarchale Sinnkonstrukte ist das Sujet dieser Opera seria nur äußerst schwer erträglich. Nun gelangte sie mit dem Concerto Copenhagen auf die Bühne des Königlichen Theaters.

Vom Publikum wurde das Alte-Musik-Ensemble bei dessen jede Spielzeit stattfindendem Musiktheater-Heimspiel mit Enthusiasmus bejubelt. Es gelang tatsächlich Außerordentliches: die meisterhafte Durchdringung des bereits vom Librettisten Apostolo Zeno als problematisch erkannten Stoffes.

Griselda gehört neben Genoveva, Hirlanda und Helena zu jenen seit dem Mittelalter und Boccaccio bis zu den Volks- und Puppenschauspielen des 19. Jahrhunderts als Vorbild für gottgefälliges Christenleben dienenden Dulderinnen, deren Schweigen, Leidensfähigkeit und schicksalsergebene Wehrlosigkeit jedes menschliche Maß zu übersteigen scheint. An die im Textbuch behauptete Versöhnung der Tochter Costanza mit ihrer wiedergefundenen Mutter ist da schwerlich zu glauben, selbst wenn das in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Roland H. Dippel

Weitere Beiträge
Weihrauch ist ihm fremd

Schlägt man das Kapitel zu Anna Netrebko in Jürgen Kestings Monumentalwerk «Die großen Sänger» auf, so spürt man sofort, dass den Autor die Kunst in ihrer ganzen Welthaltigkeit interessiert: als Ware, als Medienphänomen und als Gegenstand eminenter Eigenbedeutsamkeit.

Kesting zitiert dort Rudolf Gröger, den damaligen CEO des Mobilfunkunternehmens O2, mit der...

Eine Art kreativer Exorzismus

Katzenvideos gehen immer. Im Foyer des Theaters Kiel sitzt man an diesem Abend in gemütlichen Sesseln und etwas abgewetzten Sofas beieinander und genießt Cat-Content der jüngeren Pop-Kultur. «Meeeow!», maunzt ein junges Kätzchen in die Kamera. Mit ein paar Beats, Gitarrenakkorden und sehr viel auto tune wird ein Song daraus – der virale Hit «I go meow» des...

Das Stück schlägt zurück

Das Misstrauen des Regisseurs ist groß gegenüber dem «Rosenkavalier» von Richard Strauss. Im Programmheft zur neuen Produktion in Hannover berichtet Christian Stückl, gebürtiger Oberammergauer, Intendant des Münchner Volkstheaters und für 2030 erneut als Spielleiter für die Passionsfestspiele in seinem Heimatort vorgesehen, von seinen Schwierigkeiten, in dieser...