Auf der Psycho-Couch

Kent Nagano und Georges Delnon verabschieden sich von der Hamburger Staatsoper mit zwei Uraufführungen: Unsuk Chins «Die dunkle Seite des Mondes» nervt mit gelehrter Textlast, Rodolphe Bruneau-Boulmiers Stück «Illusionen des William Mallory» ist immerhin musikalisch unterhaltsam

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Auf den Titelblättern der Programmhefte dieser beiden Musiktheater-Novitäten prangt (sie sind im selben Hellrot wie das Schriftlogo «Staatsoper Hamburg» gesetzt) eine Zahl, die Bände sprechen soll. Eine «22» für Unsuks Chins «Die dunkle Seite des Mondes», eine «23» für Rodolphe Bruneau-Boulmiers «Die Illusionen des William Mallory».

Das Leitungsduo des Hauses an der Dammtorstraße, Kent Nagano und Georges Delnon, weist somit darauf hin: In ihrer nach zehn Jahren zu Ende gehenden Zeit an Elbe und Alster waren Uraufführungen kein Feigenblatt, sie gehörten zum Selbstverständnis. Für Opernfans mit Geschichtsbewusstsein lassen die beiden Herren deutlich mitschwingen, dass ihnen das bislang Unerhörte so sehr ein Anliegen war wie einst Rolf Liebermann, der während seiner legendären ersten Hamburger Ära lukratives Star-Theater und eine beherzte Uraufführungskultur konsequent auszupendeln wusste. Dabei galt für den Schweizer damals so sehr wie für seinen Landsmann jetzt: Nicht jedes frisch aus der Taufe gehobene Opus geht in die Geschichtsbücher ein. Da gab es weiland neben Kagels frech skandalöser Anti-Oper «Staatstheater» auch manches, was danach schnell in den Archiven verschwand. Der Mut ...

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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Peter Krause

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