Eindringlich, pointiert, ­sinnenfroh

Endlich fürs Heimkino verfügbar: Monteverdis «Orfeo» aus Brüssel und Rameaus «Zoroastre» aus Drottningholm

Opernwelt - Logo

Monteverdi gehört zu den Komponisten, denen sich René Jacobs immer wieder von Neuem stellt. Sein CD-Zyklus der Opern bei Harmonia Mundi France gehört nach wie vor zu den Referenzaufnahmen. «Orfeo» wurde bereits 1993 bei den Salzburger Festspielen mitgeschnitten. Fünf Jahre später hat Jacobs das Werk am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel in Zusammenarbeit mit der Choreografin Trisha Brown szenisch realisiert. Diese Produktion liegt jetzt auf DVD vor.


Für Jacobs ist «Orfeo» eine griechische Tragödie im klassischen Sinne, in deren Zentrum ein Künstler steht, der seine Grenzen nicht kennt und sich als Gott fühlt. Monteverdi hat für diese Tragödie zwei Schlussfassungen geschrieben: Eine zeigt Orfeos Apotheose, in der anderen wird er wie in der Sage von den Bacchantinnen zerrissen. In der Brüsseler Aufführung stehen beide Fassungen als gleichberechtigte Möglichkeiten nebeneinander.
Die szenische Umsetzung der Oper durch Trisha Brown und ihre Company ist eher ein interessantes Experiment als eine zwingende Interpretation. Als Vertreterin einer abstrakten Choreografie schafft Brown einen physischen Kontrapunkt zur Musik. Sänger und Choristen lassen sich bereitwillig auf die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2007
Rubrik: DVDs, Seite 55
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Szenische Kontrapunktik

Ein Kamin in der Villa Wahnfried, auf dem Sims ein Bild des alten Abbé Liszt, made by Hanfstaengl. Im Fauteuil davor ein smarter Herr im Freizeithemd, entspannt, doch konzentriert seinen Gesprächspartnern lauschend, auf den ers­ten Blick eher Technokrat denn Künstler. Es ist ein Foto anlässlich des be­rühmten «Spiegel»-Interviews aus dem Jahre 1967, in dem Pierre...

Die Kunst, mit der Stimme zu malen

In einer Enzyklopädie der Gesangskunst, die noch geschrieben werden muss, hat er ein eigenes Kapitel verdient, auch wenn er heute nur noch wenigen Kennern ein Begriff ist: Der rumänische Tenor Petre Munteanù (1916-1988) vertritt den Typus des «tenore di grazia» in Reinkultur, wobei dieser Terminus weniger ein Stimmfach bezeichnet als eine ästhetische Haltung.
Eigent...

Über den Dächern von ­Paris

An couleur locale wird in diesem «Cardillac» nicht gespart: Kaum eine Gelegenheit lässt die Produktion der Bastille-Oper aus, um daran zu erinnern, dass Paul Hindemiths 1926 uraufgeführte Krimi-Oper nach Hoffmanns «Fräulein von Scuderi» in Paris spielt. Immer wieder eröffnen sich Ausblicke auf den Eiffelturm, und die Ergreifung des mörderischen Goldschmieds im...