Eindringlich, pointiert, sinnenfroh
Monteverdi gehört zu den Komponisten, denen sich René Jacobs immer wieder von Neuem stellt. Sein CD-Zyklus der Opern bei Harmonia Mundi France gehört nach wie vor zu den Referenzaufnahmen. «Orfeo» wurde bereits 1993 bei den Salzburger Festspielen mitgeschnitten. Fünf Jahre später hat Jacobs das Werk am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel in Zusammenarbeit mit der Choreografin Trisha Brown szenisch realisiert. Diese Produktion liegt jetzt auf DVD vor.
Für Jacobs ist «Orfeo» eine griechische Tragödie im klassischen Sinne, in deren Zentrum ein Künstler steht, der seine Grenzen nicht kennt und sich als Gott fühlt. Monteverdi hat für diese Tragödie zwei Schlussfassungen geschrieben: Eine zeigt Orfeos Apotheose, in der anderen wird er wie in der Sage von den Bacchantinnen zerrissen. In der Brüsseler Aufführung stehen beide Fassungen als gleichberechtigte Möglichkeiten nebeneinander.
Die szenische Umsetzung der Oper durch Trisha Brown und ihre Company ist eher ein interessantes Experiment als eine zwingende Interpretation. Als Vertreterin einer abstrakten Choreografie schafft Brown einen physischen Kontrapunkt zur Musik. Sänger und Choristen lassen sich bereitwillig auf die ...
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