Ein Wunder
Einen Abend mit einem so ausgeprägten Epizentrum der Energie gibt es selten. Nach der Vorstellung von Gaetano Donizettis «Maria Stuarda» am Opernhaus Zürich weiß man jedenfalls wieder, was das ist: eine Primadonna. In der Partie der stolzen, am Ende aber doch hingerichteten Königin von Schottland lässt es Diana Damrau hören, sehen, spüren. Ihr gehört die Aufmerksamkeit – und die Sympathie, so haben es der Komponist und sein Librettist Giuseppe Bardari angelegt.
Maria Stuart hat nicht weniger auf dem Kerbholz als Elisabeth, die Widersacherin auf dem englischen Thron, doch ihre dunklen Seiten kommen erst zum Schluss ans Licht – in der Beichte, die sie ablegt, bevor sie sich dem Henker ergibt. Zuvor kämpft sie um ihren Status, ja ihr Leben, und sie tut es mit allen Mitteln, an diesem Opernabend nicht zuletzt mit vokalen. Was Diana Damrau dabei gelingt, ist nicht weniger als ein Wunder.
Gleich zu Beginn macht Regisseur David Alden deutlich, worum es geht. Erhobenen Hauptes, in sicherer Distanz und äußerst langsam umkreisen sich die beiden in Hass entbrannten Herrscherinnen. Schauplatz ist ein Halbrund aus überaus schickem Stein; es ist das Gefängnis, in dem Elisabeth ihre ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Hagmann
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