Ein Wunder
Einen Abend mit einem so ausgeprägten Epizentrum der Energie gibt es selten. Nach der Vorstellung von Gaetano Donizettis «Maria Stuarda» am Opernhaus Zürich weiß man jedenfalls wieder, was das ist: eine Primadonna. In der Partie der stolzen, am Ende aber doch hingerichteten Königin von Schottland lässt es Diana Damrau hören, sehen, spüren. Ihr gehört die Aufmerksamkeit – und die Sympathie, so haben es der Komponist und sein Librettist Giuseppe Bardari angelegt.
Maria Stuart hat nicht weniger auf dem Kerbholz als Elisabeth, die Widersacherin auf dem englischen Thron, doch ihre dunklen Seiten kommen erst zum Schluss ans Licht – in der Beichte, die sie ablegt, bevor sie sich dem Henker ergibt. Zuvor kämpft sie um ihren Status, ja ihr Leben, und sie tut es mit allen Mitteln, an diesem Opernabend nicht zuletzt mit vokalen. Was Diana Damrau dabei gelingt, ist nicht weniger als ein Wunder.
Gleich zu Beginn macht Regisseur David Alden deutlich, worum es geht. Erhobenen Hauptes, in sicherer Distanz und äußerst langsam umkreisen sich die beiden in Hass entbrannten Herrscherinnen. Schauplatz ist ein Halbrund aus überaus schickem Stein; es ist das Gefängnis, in dem Elisabeth ihre ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Hagmann
In der Gewohnheit ruhe das Behagen, fand Goethe. Damiano Michieletto kann dem Dichterfürsten in dieser Hinsicht wohl wenig abgewinnen; seine Inszenierungen suchen das Andere, Ungewohnte. So ließ er Puccinis «La Bohème» bei den Salzburger Festspielen teilweise in einem vermüllten Matratzenlager spielen, verortete Verdis «Falstaff» an gleichem Orte in der Mailänder...
Nicola Raab hat im Dezember 2017 gezeigt, dass man Zandonais «Francesca da Rimini» nicht im Plüsch ertränken muss. Der «decadentismo» dieser blutigen Tragödie aus dem Jahre 1914 fokussiert auf Gewalt, wie sie so oft den Umgang zwischen den Geschlechtern konditioniert. In Straßburg hatte sich Raab die Perspektive der Titelheldin zu eigen gemacht. An der Mailänder...
Shakespeare passt immer, und die internationale Gesellschaft, die eigentlich zur Krönung von Charles X. Philippe nach Reims will, könnte auch Richard den Dritten zitieren: «A horse! A horse! My kingdom for a horse!» Vielleicht nicht gleich ein ganzes Königreich, aber doch anständige Summen würden die in Plombières-les-Bains gestrandeten Herrschaften für Gäule...
