Ein Versprechen
Je älter er werde, so hat Dmitri Hvorostovsky einmal bekannt, desto näher fühle er sich Russland. Tiefer wolle er eintauchen in die Opernpartien seiner Heimat, zu einem Experten werden. Auch diese CD sollte den Weg dahin bahnen. Doch ob es jemals zu Engagements kommt? Ein Hirntumor zwang Hvorostovsky bekanntlich zum Rückzug von der Opernbühne, eine «Pause» sollte das werden, wie der Bariton vor einigen Monaten mitteilte. Nur noch Konzerte wolle er riskieren. Doch kürzlich mussten auch drei Liederabende auf Anraten der Ärzte abgesagt werden.
Im April, wenn alles gut geht, ist ein Comeback-Abend an der Seite von Anna Netrebko in Toronto geplant.
Das alles hört man zwangsläufig mit, wenn man Hvorostovskys russische CD auflegt. Im Herbst 2015 wurde sie in Moskau aufgenommen mit dem Staatlichen Akademischen Symphonieorchester «Evgeny Svetlanov». Keine der üblichen Nummernfolgen ist das geworden, eher ein Konzeptalbum, das auf die halbstündige Schlussszene aus dem «Dämon» von Anton Rubinstein zusteuert. Die Rolle des gefallenen, einsamen Engels, der verzweifelt um irdische Liebe buhlt, Faust, Mephisto und Holländer gewissermaßen in einer Person, die käme für Hvorostovsky genau zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Markus Thiel
Musikologie ist leider keine «fröhliche Wissenschaft» im Sinne Friedrich Nietzsches, der seine Schrift «Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben» mit Goethe eröffnet: «Übrigens ist mir alles verhaßt, was mich bloß belehrt, ohne meine Tätigkeit zu vermehren oder unmittelbar zu beleben.» Ob Quellenkunde oder pingelige Analyse, der Bezug zur Gegenwart bleibt...
«Der Wind wütete, hoch schwollen die Wogen, schwer wog die Luft von Dunkelheit. Der Ozean verfinsterte sich und der Regen peitschte in Stößen herab.» So beschrieb der Mediävist Joseph Bédier in seiner 1900 erschienenen Nacherzählung des Tristan-Stoffs das Meer. Derart wild geht es an der Cardiff Bay am Abend der Premiere von Frank Martins «Le Vin herbé» zwar nicht...
Länger als ein Jahrhundert hat es gedauert. Knapp 127 Jahre sind verstrichen, seit der Komponist letzte Hand an sein Bühnenwerk legte. An eine Oper, die Motive aus dem «Kalevala», dem finnischen Nationalepos, verarbeitet. Und eigentlich schon damals in Turku uraufgeführt werden sollte. Was erst jetzt, im Zuge der Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit Finnlands – erst...
