Ein moderner Traditionalist
Als ich Giselher Klebe im März 2006 in Detmold zu einem Gespräch traf, galt meine letzte Frage der Zukunft der Oper als komponierter Form, wie er sie betrieben hat. Seine Antwort war niederschmetternd: «Es besteht die Gefahr, dass sie keine Zukunft hat.» Aufgeführt wurden seine Bühnenwerke schon damals kaum mehr, und diskographisch war es um ihn seit jeher schlecht bestellt.
Inzwischen hat die Furie des Verschwindens Klebes melancholisch-pessimistische Ahnung zur blanken Tatsache gemacht und sein mehr als 150 Werke umfassendes Œuvre, wie das fast aller seiner Zeitgenossen – nicht nur der älteren, schon im Dritten Reich aktiven Kollegen, sondern, mit Ausnahme Henzes, Reimanns oder Rihms, auch der unmittelbaren Nachkriegsgeneration –, so gut wie spurlos verschluckt.
Klebe hat die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wie kein zweiter Komponist begleitet. Schon der Heranwachsende war ein wacher, kritischer Beobachter, der sich vom Faschismus nicht blenden ließ – als Mensch wie als Musiker. Zum politischen Zeitgeschehen, in das ihn der Zweite Weltkrieg hineinriss, versuchte er ebenso Distanz zu halten wie zur nazistischen Vergewaltigung der Kunst. Noch während des Krieges ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Essay, Seite 78
von Uwe Schweikert
Verdis «Otello» ist ein grandioses Stück Theater. Es funktioniert auch noch, nachdem gewisse Kreise die Parole des Blackfacing-Verbots ausgegeben haben. Wobei – dies sei in Erinnerung gerufen – der ursprüngliche Otello, der Held einer 1566 erschienenen Erzählung des Renaissance-Schriftstellers Giambattista Giraldi Cinzio, eigentlich gar kein people of colour war,...
Im Ranking der meistgespielten Opern lebender Komponisten rangierte Kurt Weills Einakter «Der Zar lässt sich fotografieren» von der Uraufführung 1928 bis zu dessen Verbot 1933 auf dem zweiten Platz, gleich nach Strauss’ «Rosenkavalier». Seinen Erfolg verdankte Weills «Zeitoper» insbesondere ihrem gewitzten Aktualitätsbezug. In der Partitur pulsieren nicht nur Jazz...
Es ist ein heiteres Stück mit einem traurigen Ende, und ich selbst habe meinen Platz an diesem traurigen Ende.» So hat Leoš Janáček «Die Abenteuer der Füchsin Schlaukopf» – dies der originale Titel seiner 1924 in Brünn uraufgeführten Oper – charakterisiert, in der sich Tiere wie Menschen in einem ewigen Kreislauf von Leben und Tod, Werden und Vergehen begegnen. Die...
