Der Duft weißer Rosen

Kate Lindsey singt Lieder von Schumann und Fauré, Éric Le Sage begleitet sie sanft dabei

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Aus männlicher Perspektive mögen jene Verse, die Adelbert Chamisso im zweiten Gedicht seines Zyklus’ «Frauenliebe und -leben» der imaginären Liebenden in den Mund legte, durchaus der Wahrheit entsprechen: «Er, der Herrlichste von Allen, / Wie so milde, wie so gut!». Schön wär’s – denn damit zeichnet der romantische Dichter ein nicht nur verklärendes, sondern zudem längst überholtes Bild des Mannes, den die Frau bedenkenlos anhimmelt.

Robert Schumann indes glaubte noch an solche Traumbilder, als er Chamisso vertonte: Für das zweite Stück seines Liederzyklus «Frauenliebe und -leben» wählte er kaum zufällig die numinose Tonart Es-Dur. Damit nicht genug: «Innig, lebhaft» möge die Laudatio ausfallen. Nicht so bei Kate Lindsey, die Schumanns «Frauenliebe und -leben» jetzt gemeinsam mit dem Pianisten Éric Le Sage aufgenommen hat: Ihr Lob des «starken» Geschlechts fällt eher verhalten aus, und auch die Begeisterung über die männlich-milde Güte hält sich hörbar in Grenzen. Was betrüblicherweise auch überschaubar bleibt, ist die Textverständlichkeit, und das hatte sich schon im ersten Lied angedeutet. Beinahe spannungslos, hier und da sogar falsch betont ist der Text, und doch etwas ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 39
von Virginie Germstein

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