Gegensätze ziehen sich an
Im Ranking der meistgespielten Opern lebender Komponisten rangierte Kurt Weills Einakter «Der Zar lässt sich fotografieren» von der Uraufführung 1928 bis zu dessen Verbot 1933 auf dem zweiten Platz, gleich nach Strauss’ «Rosenkavalier». Seinen Erfolg verdankte Weills «Zeitoper» insbesondere ihrem gewitzten Aktualitätsbezug. In der Partitur pulsieren nicht nur Jazz und Tanzmusik, man hört zudem Geräusche weiland moderner technischer Errungenschaften wie Telefon, Türklingel oder Grammophon.
In einem Doppelabend wurde die Opera buffa nun zusammen mit Weills «Sieben Todsünden», einem Ballett mit Gesang auf einen Brecht-Text, in Kaiserslautern auf die Bühne gebracht. Satirischer Kriminalschwank hier, kapitalismuskritische Untergangsvision dort – inhaltlich wie stilistisch liegen die Werke meilenweit auseinander. Doch der Regisseurin Martina Veh gelingt es, sie in einem gemeinsamen Bühnenbild zu verzahnen. Im «Zar» fungiert ein gigantischer Thron (Bühne: Thomas Dörfler) als zweigeschossiges Wohnhaus. Hier empfängt die Pariser Fotografin Angèle den Herrscher eines imaginären Zarenreiches zum Fotoshooting. Was der nicht weiß: Verschwörer haben das Atelier gekapert, die echte Angèle (mit ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Silvia Adler
Am 5. Juli endet eine kurze Ära – die des singenden Intendanten: An diesem Tag wird Jonas Kaufmann alias Siegmund mutmaßlich phonstark nach Papa Wälse rufen, in einem konzertanten ersten «Walküre»-Akt, um sich in Erl fortan nurmehr auf Administratives zu beschränken. Die Enttäuschung bei den eingefleischten Fans dürfte immens sein. In der Saison 2025/26 gibt es bei...
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Oper? Tanztheater? Tragödie? Oder gar Comedy? Franck Chartier würde vermutlich nie nein sagen. Formal gesehen firmiert seine Inszenierung von Purcells «Dido and Aeneas» als Debüt in der Musiktheaterregie: für die Opernhäuser in Genf, Lille und Luxembourg. Und jetzt eben Basel. Doch das Ergebnis lässt sich erst mal schwer greifen. So wie der Sand, den es im Laufe...
