Verzappelt
Mit dem «Ring» ist es eine vertrackte Sache. Sieht man die vier Teile rasch hintereinander, setzt man sich nicht nur zeitlich einem Marathon aus, auch auf der Bühne wird zuweilen stimmlich und logistisch mit den Anforderungen gekämpft. Also gibt es an vielen Häusern oft große Pausen zwischen den einzelnen Stücken, um dann das Endergebnis als Zyklus zu präsentieren. Da lässt sich etwa manch «Rheingold»-Schnitzer vielleicht noch ausbügeln ...
In Bern ist alles anders. Dort war von Anfang an klar, dass die Tetralogie nicht zyklisch gezeigt wird.
Das ist Fluch und Segen zugleich, denn weder Regieteam noch Publikum muss sich zwangsläufig an einen roten (Erinnerungs-)Faden halten. Die Erinnerung an «Rheingold» und «Walküre» indes ist noch recht frisch, was vor allem an der stupenden Zusammenarbeit von Regisseurin Ewelina Marciniak mit der Choreographin Dominika Knapik und dem Dramaturgen Miron Hakenbeck liegt. Da wurde manches klar, fast überdeutlich erzählt, aber ergänzt durch eigene, oft virtuos getanzte Szenen und Szenerien. Verdopplungen, Spiegelungen der Hauptfiguren gab es, jedoch auch wilde Assoziationen, schräge Bildideen – einer ganz eigenen Logik folgend. Der ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Jörn Florian Fuchs
Sie habe das Stück «von einem eher langsamen Märchen in einen rasanten und brutalen Thriller verwandelt», schickt die Regisseurin ihrer Inszenierung voraus. Katie Mitchell hat also das Märchen gestrichen. Es wird nicht durch die Luft geflogen, es gibt keine prächtig bedeutungsgeladenen Traum-Architekturen; nur dass Keikobads Leute Wolfsoder Vogelköpfe tragen, ist...
Freuen wir uns darüber, dass die Komische Oper Berlin wieder einen Generalmusikdirektor hat, der Akzente setzen kann. Der «Don Giovanni», den James Gaffigan dirigiert, ist frisch, elegant, dramatisch, dabei nie effektheischend; das Orchester des Hauses orientiert sich an den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis, verzichtet weitgehend auf Vibrato,...
Während die «Poèmes pour Mi» von 1936, die Olivier Messiaen seiner ersten Ehefrau Claire Delbos widmete, in den Konzertsälen immer wieder auftauchen, hört man den zwei Jahre später vollendeten Liederzyklus «Chants de terre et de ciel» doch eher selten, obwohl dieser nicht nur inhaltlich, sondern auch in seinem Klangbild erkennbar an die «Poèmes» anknüpft....
