Ein merkwürdiger Fall

Puccini: Tosca am Hessischen Staatstheater Wiesbaden

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Die Libretti der berühmtesten Opern Giacomo Puccinis werden häufig unterschätzt. Dabei sind die Szenen präzise, und die Musik folgt jeder Nuance. Etwa wenn Toscas Besänftigung wieder in die nächste Eifersuchtsattacke umkippt; wenn Mario Cavaradossi nicht ganz bei der Sache ist, sondern eine Spur abgelenkt; wenn Scarpia es sich in seiner abgrundtiefen Schlechtigkeit so richtig gemütlich macht.

Was kann die Regie da noch tun, außer sich an diese dramaturgische Perfektion anzuschmiegen?

Merkwürdiger Fall: Obwohl Regiedebütant José Cortés im Programmheft des Staatstheaters Wiesbaden glaubhaft gerade «Tosca» als seine Lieblingsoper bezeichnet und sich zu Maria Callas in dieser Partie bekennt, scheint er der Intensität des Geschehens zu misstrauen. Er will es anreichern und schickt zunächst einmal Staffage auf die Bühne wie ein Landschaftsmaler Schäfchen, damit die Szenerie lebendiger wird. Das ist nur die eine Seite der Merkwürdigkeit. Die andere, dass seine Inszenierung zugleich attraktiv und konventionell aussieht. Die Bühne von Manuel La Casta bietet Kirchensäulen und viel Nebel, es gibt echte und projizierte Flammen, klassische Kostüme (Linda Rodenheber). Die Tücke des Misslingens ...

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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Judith von Sternburg

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