Poetik des Widerstands
Als er seine Kirche in ihrer Anpassung an den faschistischen Staat scheitern sah, wagte Dietrich Bonhoeffer, einer jener wenigen Aufrechten, die sich der Gleichschaltung des Glaubens widersetzten, den Widerstand. Schließlich gelte es «nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen». Christentum bedeute Entscheidung, wusste der Theologe bereits 1925 – und meinte damit ganz konkret das diesseitige Hier und Jetzt, in dem sich gleichsam die Mündigkeit des aufgeklärten Christenmenschen beweisen müsse.
Nicht erst im offiziellen Hauptwerk des diesjährigen Festivals der Opéra de Lyon (Verdis «La forza del destino»), sondern just in der erstmals als gleichwertigem Trilogie-Teil aufgenommenen Kinderoper wurde nun der alle Ängste, Krisen und Untergangsszenarien trotzig überwindende Zukunftsglaube mit einem Staunen machenden Mut zum Thema.
Diana Sohs «L’Avenir nous le dira» ist keines jener «gut gemeinten» Werke, die in Wahrheit doch eher unterkomplexe Projekte zur Gewinnung eines jüngeren Publikums sind. Sondern eine ausgewachsene, anspruchsvolle, dramaturgisch kluge Oper von Kindern für Kinder und solche Menschen, die das Kind in sich auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Peter Krause
Nicht wenige Opernkomponisten (und keineswegs nur diejenigen, die lediglich eines geschrieben haben, wie Beethoven) werden auf ein einzelnes Werk reduziert. Bei Carl Maria von Weber etwa denkt jeder sofort an den «Freischütz». «Oberon», «Euryanthe» und «Silvana» hingegen fristen ein trauriges Schattendasein. Camille Saint-Saëns wird wohl noch in 100 Jahren als...
Seit «Tiefland» befand sich Eugen d’Albert in Hochstimmung. Die Oper feierte landauf, landab Erfolge, die ihm kaum weniger wichtig waren als seine Erfolge bei Frauen. Jede Hochzeit steigerte im Freundeskreis die spöttische Bewunderung, und am Ende wusste niemand mehr, ob der englisch-französische Deutsche mittlerweile die fünfte oder sechste Ehe führte, was einen...
An Gesamtaufnahmen des «Rinaldo» herrscht kein Mangel. Was wir hören, ist stets die erste Fassung, deren Premiere am 24. Februar 1711 im Londoner Queen’s Theatre am Haymarket und auch danach wahre Begeisterungsstürme auslöste. 1731 später bearbeitete Händel «Rinaldo» aber derart radikal, dass man fast von einem neuen Werk sprechen muss. Die Stimmlagen fast aller...
