Poetik des Widerstands
Als er seine Kirche in ihrer Anpassung an den faschistischen Staat scheitern sah, wagte Dietrich Bonhoeffer, einer jener wenigen Aufrechten, die sich der Gleichschaltung des Glaubens widersetzten, den Widerstand. Schließlich gelte es «nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen». Christentum bedeute Entscheidung, wusste der Theologe bereits 1925 – und meinte damit ganz konkret das diesseitige Hier und Jetzt, in dem sich gleichsam die Mündigkeit des aufgeklärten Christenmenschen beweisen müsse.
Nicht erst im offiziellen Hauptwerk des diesjährigen Festivals der Opéra de Lyon (Verdis «La forza del destino»), sondern just in der erstmals als gleichwertigem Trilogie-Teil aufgenommenen Kinderoper wurde nun der alle Ängste, Krisen und Untergangsszenarien trotzig überwindende Zukunftsglaube mit einem Staunen machenden Mut zum Thema.
Diana Sohs «L’Avenir nous le dira» ist keines jener «gut gemeinten» Werke, die in Wahrheit doch eher unterkomplexe Projekte zur Gewinnung eines jüngeren Publikums sind. Sondern eine ausgewachsene, anspruchsvolle, dramaturgisch kluge Oper von Kindern für Kinder und solche Menschen, die das Kind in sich auch ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Peter Krause
Thomas Mann bezeichnete sie als «wesenlos und allmächtig», Hugo von Hofmannsthal legte seiner Feldmarschallin von Werdenberg die Worte in den Mund, sie sei ein «sonderbar Ding». Unter dem Strich ist die Zeit vermutlich beides, und als hätte er dies schon Jahrhunderte vor Mann und Hofmannsthal geahnt, wenn nicht gewusst, überließ William Shakespeare ihr gleich einen...
Der Teufel mag es ungebärdig und ein wenig billig. Das ist seine Welt, da kennt er sich aus. Er mag den Zinnober, zündet Flämmchen an und hetzt die Masse auf, in der Hölle nur noch das Wort «Hass» zu skandieren. Ein schlimmes Wort, das hier noch gefährlicher zischt als sonst schon. Ein Tierlaut – sieht man davon ab, dass Tiere nicht hassen. In einer der schönsten...
Das Schicksal des Menschen ist, so scheint es zumindest, elastisch. Es kann prokastiniert, gedehnt und verzögert werden, nicht jedoch ins Unendliche. Unweigerlich kommt irgendwann der Moment, in dem das Gummi des Lebens reißt und der Tod durch die Tür tritt, unheimlich, still und nur selten leise. Dem (Musik-)Philosophen Vladimir Jankélévitch verdanken wir die...
