Ausstattungsorgie
Walter Braunfels traf mit seiner Parabel «Die Vögel» 1920 den Geschmack der Zeit. Sein «lyrisch-phantastisches Spiel» entwickelte sich rasch zum Kassenschlager und wurde bis in die 1930er-Jahre sogar häufiger gespielt als Strauss’ Erfolgsopern. Doch Braunfels galt als «Halbjude», und so endete mit der Machtübernahme der Nazis nicht nur seine Karriere als Gründungsrektor der Kölner Musikhochschule, sondern auch die als Komponist. Schlimm genug: Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Braunfels’ Kompositionen weiterhin überwiegend vergessen.
«Die Vögel» finden neuerdings jedoch wieder verstärkt Interesse: 2019 kam das Werk im Festspielhaus Erl auf die Bühne, Frank Castorf inszenierte es 2020 an der Bayerischen Staatsoper; Köln folgte 2021, die Opéra national du Rhin 2022; nach Oldenburg im Januar kam es nun am Staatstheater Braunschweig heraus. Tatsächlich könnten die «Vögel» ja die Oper der Stunde sein: Basierend auf der antiken Komödie von Aristophanes wird darin die Reise des Gespanns Ratefreund und Hoffegut ins Reich der Vögel geschildert. Während der Romantiker Hoffegut sich sogleich in die Nachtigall verliebt, hat Ratefreund knallharte Machtinteressen und entpuppt sich als ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Regine Müller
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