Gleißende Düsternis

Luxemburg, Britten: Death in Venice

Opernwelt - Logo

Da sitzt er nun am Lido in Venedig, so steif wie sein Anzug, und quält sich mit Selbstzweifeln, während die anderen dem bunten Strandtreiben nachgehen. Dichterfürst Gustav von Aschenbach ist vor einer Schaffenskrise nach Italien geflohen, aber seine Lebenslüge holt ihn unbarmherzig ein, und seine unterdrückten Triebe geraten in einen letztlich tödlichen Konflikt mit den Zwängen bürgerlicher Moral.

Benjamin Brittens letzte Oper hat, wie die literarische Vorlage von Thomas Mann, viele Facetten: die Beschreibung der in Morbidezza verdämmernden Stadt Venedig, die Auseinandersetzung mit der eigenen und dennoch fremden Homosexualität, der philosophische Konflikt zwischen geistiger und körperlicher Makellosigkeit.
Die Inszenierung von Deborah Warner konzentriert sich dabei ganz auf die Hauptfigur. Ian Bostridge singt und spielt den Aschenbach mit einer Intensität, die Schaudern macht. Er räsonniert, zweifelt, taumelt, hadert, ekelt sich, ergibt sich in glücklicheren Momenten einer schwerelosen Melancholie – um dann am Ende förmlich einzugehen an der Unfähigkeit, die  selbst gewählte Rolle als dichterischer Beobachter und Analytiker zu verlassen und seine Gefühle zu leben.
Bei Bostridge ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Dieter Lintz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Alberich als Jedermann

Um Hermann Becht war Freundlichkeit, Fairness und ein untrüglicher Sinn für Gerechtigkeit. Auf langen, entnervenden Proben konnte er, ohne ein Wort, seine Kolleginnen und Kollegen zum Durchhalten ermuntern. Aber wenn eine Probe sinnlos war, eine Disposition unprofessionell, ein Regisseur auf unangenehme Weise egoman, dann machte er den Mund auf und sagte, was Sache...

Prophetische Partitur

In Zusammenhang mit Raritäten stellt sich häufig die Frage, ob ein Werk nicht vielleicht doch zu Recht unter den Teppich des Vergessens gekehrt wurde. Bei Francesco Bartolomeo Contis Tragicommedia in fünf Akten «Don Chisciotte in Sierra Morena» kann man dies klar verneinen. Die Produktion der «Musikwerkstatt Wien» im Semperdepot bringt eine vergnügliche Begegnung...

Der Ursprung ist das Ziel

Das Wagnis einer abenteuerlichen Zeitreise in die Vergangenheit stand auf dem Programm der 32. Karlsruher Händel-Festspiele: die historisch genaue Bühnenumsetzung von Händels Oper «Radamisto» 289 Jahre nach ihrer ersten Aufführung im Londoner King’s Theatre 1720. Wie es geklungen hat, glauben wir nach fünfzig Jahren Umgang mit der historisch informierten...