Aus einem Guss

Antwerpen/Gent, Tschaikowsky: Mazeppa

Opernwelt - Logo

«Was für ein abscheulicher Stoff, nicht ein gutes oder edles Gefühl darin!» So charakterisierte Alexander Puschkin die Geschichte vom ukrainischen Kosaken-Hetman Iwan Mazeppa, die zur Grundlage seines großen Versepos «Poltawa» wurde. In der Tat: Mazeppa, der schon zur Zeit Peters des Großen eine unabhängige Ukraine anstrebte, ist eine zwielichtige Figur. Im Großen Nordischen Krieg kämpfte er gegen Russland; den Ukrainern gilt er darum bis heute als Freiheitsheld, den Russen als Verräter.

Seine Gegner verfolgte er mit brutaler Gewalt – selbst seinen Schwiegervater und früheren Freund, den Gutsbesitzer Kotschubej, ließ er foltern und töten. Er hatte dessen Tochter Marija gegen den Willen des Vaters geheiratet: eine unkonventionelle Ehe über Standes- und Altersgrenzen hinweg – der alternde Kosak und die jugendliche Gutsbesitzerstochter. Kotschubej seinerseits hatte Mazeppa beim Zaren denunziert. Ruchloser Pragmatismus und konservatives Beharrungsvermögen stehen sich hier im Politischen wie im Privaten gegenüber: Der Kampf um die Macht wird mit allen Mitteln ausgetragen. Am Ende unterliegt auch Mazeppa: In der Schlacht bei Poltawa wird er an der Seite der Schweden vernichtend ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Edel verchromt

Die «Puritani», uraufgeführt 1835 im Pariser Théâtre-Italien und dann weltweit erfolgreich, mussten im 20. Jahrhundert zeitweise von der Bühne abtreten. Die Liebes- und Irrsinnstragödie des Fräulein Elvira auf der Folie der englischen Bürgerkriege, die Mitte des 17. Jahrhunderts tobten, und der betörende Süßstoffgehalt der ihr zugesellten Melodien erschienen aus...

Starttheater für den Markt

In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...

Unter Paul Klees Sternen

Roman Brogli-Sacher, Lübecks seit Neuestem auch Regie führender GMD, ist nicht der Erste, der die Korrespondenz der «Salome»-Partitur zur bildenden Kunst entdeckt hat, aber er hat mit dem von Ulrike Radichevich zum Bühnenbild umfunktionierten Gemälde «Ad Parnassum» von Paul Klee eine besonders überzeugende Trouvaille vorgestellt: ein Bild von einer die Musik...