Ein Hauch von Unwirklichem
Eine Zeitreise verspricht Kindern eigentlich reizvolle Abenteuer und großes Amüsement, insbesondere dann, wenn sie sich in das Paris des Jahres 1860 begeben dürfen. Die Realität aber sieht anders aus: Gioachino Rossinis Schlafzimmer bietet nichts als blanken Ennui. Seit Jahrzehnten hat der «Schwan von Pesaro» kaum mehr eine Note zu Papier gebracht. Selbst am Herd zaubert er keine Köstlichkeiten mehr hervor. Stattdessen hütet der Komponist das Bett und lässt sich mit Süßspeisen beliefern. Auch plagt ihn die Furcht vor allem Neuen.
Taugt ein solch ängstlicher Faulpelz zur Zentralfigur einer Familienoper?
Er taugt. In Detlef Heusingers Musiktheater «Die Zeitreisemaschine» begegnen die Geschwister Frida und Felix, die sich aufgemacht haben, um ihren uncoolen Eltern und einem nörgelnden Großvater zu entkommen, nicht nur dem Genie Rossini, sondern zudem dessen ehrgeiziger Gemahlin sowie dem überforderten Kammerdiener. Während Isabella zetert, weil der liebe Gioachino sie seit einer halben Ewigkeit nicht mehr mit brillanten Koloraturarien bedenkt, versucht Figaro, seinen Herrn zu einem Minimum an Aktivität zu bewegen. Allerdings vergeblich.
Die Kinder sehen es und begreifen, dass weder ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Kaminski
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Schon das Vorspiel erzählt das ganze, traurig aktuelle Drama. Im doppelten, dann sogar dreifachen Pianissimo der gedämpften Violinen schwebt das ätherische Liebesmotiv der Aida aus dem Graben hoch hinauf in die Ränge der Semperoper: ein metrisch instabiles, unendlich einsames und beinahe körperloses Sehnen und Hoffen, fragil und vergeblich wie die Utopie einer...
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