Ein Hauch von Transzendenz
Frühling 2019: Die nächste Spielzeit der Pariser Oper wird bekanntgegeben. Auf dem Programm steht ein neuer, von Calixto Bieito inszenierter «Ring», als Abschiedsgeschenk für Musikdirektor Philippe Jordan, der genauso wie Intendant Stéphane Lissner 2021 aus dem Amt scheidet. «Rheingold» und «Walküre» sollen im Frühling 2020 erklingen, «Siegfried» und «Götterdämmerung» im Herbst, der Zyklus Ende 2020.
März 2020: Lockdown in Frankreich. «Rheingold» und «Walküre» fallen aus. Alle hoffen noch auf den nächsten Herbst. Am 11.
Juni erklärt Lissner in «Le Monde», die Opéra national sei infolge des Winterstreiks und der Pandemie «zusammengebrochen». Die Bastille-Oper soll geschlossen und erst im November wieder eröffnet werden, und zwar mit «La Traviata» und «La Bayadère». Der «Ring» ist weg.
Der sonst überaus besonnene Jordan verleiht am 19. Juni in «Le Figaro» seiner Frustration deutlichen Ausdruck. Er empfinde den Ausfall des Wagner-Projekts als eine Beleidigung. Außerdem wäre der «Ring» nach den langen Monaten des Schweigens die ideale Herausforderung für alle gewesen. Am 24. Juni deutet Lissner in einem Radiointerview an, dass vielleicht doch eine konzertante Aufführung in Betracht ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 116
von Christian Merlin («Le Figaro», Paris)
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Das Publikum in Fußballstadien unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von demjenigen in Opernhäusern: Es versteht in aller Regel viel, viel mehr von dem, um was es geht.
Im Jahr zwei nach des Corona-Virus Geburt kam nun ziemlich unerwartet eine weitere wesentliche Unterscheidung hinzu: Fußball darf, Theater nicht. Die Frage nach der gesellschaftlichen...
Das Erschreckende in der vergangenen Spielzeit war für mich die Irrelevanz quasi des gesamten Kulturbetriebs. Systemrelevanz? Fehlanzeige! Das sah beziehungsweise sieht man auch jetzt noch, selbst bei begrenzter Platzauslastung bleiben erhebliche Teile des früheren Publikums weg.
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