Ein Glanz von innen
Der Tod, so hat es Vladimir Jankélévitch mit poetischer Eindrücklichkeit formuliert, gleiche einer Leere, die mitten im Leben eines Wesens aufbricht; «das Seiende, das wie durch eine wundersame Verfinsterung plötzlich unsichtbar wird, stürzt sich auf einmal durch die Falltür des Nicht-Seins.» Andererseits, so der französische Philosoph in seinem Buch «Der Tod», sei dieses «Wunder» keine außergewöhnlich seltene Unterbrechung der natürlichen Ordnung, keine außergewöhnliche Abweichung vom üblichen Verlauf der Existenz.
Sondern zugleich das universelle Gesetz jeglichen Lebens und das gemeinsame Schicksal der Wesen.
Und so klingt er auch. Zumindest bei Richard Strauss, im vierten seiner «Vier letzten Lieder». Mild, beinahe wie eine späte Aussöhnung, klingt dieser Tod zugleich wie ein Zielpunkt: «Immer langsamer» ist die Musik während des Verses «ist dies etwa der Tod?» geworden, immer leiser, hintergründiger, verklärter, metaphysischer gewissermaßen. Und genau in dem Augenblick, wenn das Wort «Tod» erreicht wird, landet das gesamte Orchester – nein, nicht in der Haupttonart des Liedes, in Es-Dur, und auch nicht in der parallelen Molltonart oder gar auf einem entfernten Stern – nein, ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Jürgen Otten
Frau d’Oustrac, lieben Sie Wagner?
Natürlich liebe ich ihn, so wie ich auch Brahms, Schumann und Liszt liebe. Vollends habe ich diese faszinierende Welt während meines Gesangsstudiums entdeckt, aber bereits zuvor, an der Musikschule, hatte ich mich theoretisch eingehend mit den Frauenrollen in Wagners Werken auseinandergesetzt.
Eine interessante Beschäftigung für...
Alles schon einmal dagewesen. Mit Maßanfertigungen für Farinelli haben bereits Vivica Genaux, Philippe Jaroussky oder Bejun Mehta Silberscheiben bestritten. Selbst das Conchita-Wurst-Styling von Cecilia Bartoli, als provokatives Gender-Pendeln gemeint, kennt man aus ihrem Salzburger «Ariodante». Bemerkenswert ist eher: Die Koloraturmaschine tuckert noch immer rund...
Ensemblekünstler und Wanderer zwischen den Welten – Victor von Halem ist eine besondere Erscheinung unter den Bassisten seiner Generation. 1940 als Sohn eines Diplomaten in Berlin geboren, verbrachte er einen großen Teil seiner Jugend in Portugal und Italien. Seine Gesangsausbildung erhielt er an der Münchner Musikhochschule bei Else Dornberger. Bevor es mit der...
