Ein Glanz von innen
Der Tod, so hat es Vladimir Jankélévitch mit poetischer Eindrücklichkeit formuliert, gleiche einer Leere, die mitten im Leben eines Wesens aufbricht; «das Seiende, das wie durch eine wundersame Verfinsterung plötzlich unsichtbar wird, stürzt sich auf einmal durch die Falltür des Nicht-Seins.» Andererseits, so der französische Philosoph in seinem Buch «Der Tod», sei dieses «Wunder» keine außergewöhnlich seltene Unterbrechung der natürlichen Ordnung, keine außergewöhnliche Abweichung vom üblichen Verlauf der Existenz.
Sondern zugleich das universelle Gesetz jeglichen Lebens und das gemeinsame Schicksal der Wesen.
Und so klingt er auch. Zumindest bei Richard Strauss, im vierten seiner «Vier letzten Lieder». Mild, beinahe wie eine späte Aussöhnung, klingt dieser Tod zugleich wie ein Zielpunkt: «Immer langsamer» ist die Musik während des Verses «ist dies etwa der Tod?» geworden, immer leiser, hintergründiger, verklärter, metaphysischer gewissermaßen. Und genau in dem Augenblick, wenn das Wort «Tod» erreicht wird, landet das gesamte Orchester – nein, nicht in der Haupttonart des Liedes, in Es-Dur, und auch nicht in der parallelen Molltonart oder gar auf einem entfernten Stern – nein, ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Jürgen Otten
Das dreiaktige Dramma per musica «Amare e fingere» – zu Deutsch: Lieben und Täuschen – kann man als lockeres Remake des spanischen Dramas «Fingir y amar» des zu seiner Zeit überaus beliebten italienischstämmigen Autors Augustín Moreto (1618–1669) bezeichnen. Wer die musikalische Adaption des Stücks einst autorisierte, ist umstritten; weder Libretto noch Partitur –...
E. M. – hinter den mysteriösen Initialen verbirgt sich nicht nur der Name einer gefeierten Operndiva, sondern zugleich auch der Wirklichkeit gewordene Menschheitstraum von ewiger Jugend – freilich zum Preis eines halt- und ziellosen Lebens. Denn Emilia Marty, die Leoš Janáček in seiner vorletzten, 1926 uraufgeführten Oper «Věc Makropulos» («Die Sache Makropulos»)...
Im Mittelalter waren Klöster Träger der Zivilisation, Bewahrer antiken Wissens, Inseln von Bildung in einem Meer des Analphabetismus. Wer im Kloster lebte, hatte es nicht am Schlechtesten getroffen, war versorgt, einigermaßen sicher, geborgen in einer Gemeinschaft. Schon im Zeitalter der Aufklärung muss das lange vorbei gewesen sein. Mit seinem 1917 entstandenen...
