Gesamtkunstwerke

Cecilia Bartoli wirft für Farinelli ihre Koloraturmaschine an, Simone Kermes widmet sich mit schrillem Barock-Pop den sieben Todsünden und Tugenden

Opernwelt - Logo

Alles schon einmal dagewesen. Mit Maßanfertigungen für Farinelli haben bereits Vivica Genaux, Philippe Jaroussky oder Bejun Mehta Silberscheiben bestritten. Selbst das Conchita-Wurst-Styling von Cecilia Bartoli, als provokatives Gender-Pendeln gemeint, kennt man aus ihrem Salzburger «Ariodante». Bemerkenswert ist eher: Die Koloraturmaschine tuckert noch immer rund und hochtourig wie ein frisierter Fiat Cinquecento. Man höre dazu nur Porporas «Nell’attendere mio bene» oder sein «Come nave».

Arien, die herrlich heißlaufen, mit teils abstrusen Verzierungen, und die vorführen: Nachdruck und Exaltiertes müssen nicht gleichbedeutend sein mit Lautstärke und Grimasse. Il Giardino Armonico und Giovanni Antonini sind der Bartoli da seelenverwandt.

Mindestens ebenso staunenswert bleiben bei der Römerin die ruhigeren Nummern. Porporas «Vaghi amori» ist ein makelloses, wie versonnenes und doch extrem beherrschtes Nachzeichnen der Linien. Noch bestechender glückt ihr das in Porporas «Alto Giove» mit den weit gespannten Phrasen, der Atemkontrolle und einer emotionalen Tiefe ohne Larmoyanz. Dass die Bartoli die Mezzos als eigentliche Nachfolger der Kastraten begreift, ist sehr zu diskutieren – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Zeitgenossenschaft

Schon Hölderlins Hyperion ahnte es: Der Mensch ist eine beunruhigend prekäre Einrichtung der Natur, etwas, «das, wie ein Chaos gärt, oder modert, wie ein fauler Baum, und nie zu einer Reife gedeiht». Ähnlich kritisch sieht dies auch Golem XIV, jener Supercomputer, dem der polnische Science fiction-Autor Stanisław Lem 1973 ein intelligent-funkelndes literarisches...

Personalien, Meldungen März 2020

JUBILARE

Robert Lloyd nahm bei dem Bariton Otakar Kraus Unterricht. Er debütierte 1969 im damaligen Collegiate, dem heutigem Bloomsbury Theatre des University College London, als Don Fernando in Beethovens «Leonore», der Urfassung des «Fidelio». Von 1969-72 war er Solist an der Sadler’s Wells Opera Company (der heutigen English National Opera), anschließend...

Hommage an eine sterblich Getriebene

Die Sache wird wohl nie zu klären sein: Hatte Beethoven eine Tochter mit seiner «unsterblichen Geliebten», der Gräfin Josephine Brunsvik? Das vermutet zum Beispiel der Musikhistoriker Harry Goldschmidt. Auf dessen Indizien und eigene Recherchen in estnischen Archiven stützt sich Jüri Reinvere, wenn er in seiner dritten Oper eben jene Minona ins Rampenlicht rückt,...