Unter der großen Sonne
Der König und seine Entourage waren not amused. Hatte Philippe Quinault im Textbuch für «Isis», die sechste tragédie en musique des Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully, nicht – kaum verhüllt – das Liebesleben des «Roi Soleil» porträtiert? Wer mit den Usancen des französischen Regenten halbwegs vertraut war, erkannte sofort frappierende Parallelen zwischen Juno, der frustrierten Gattin des allzeit seitensprungbereiten Jupiter, und Madame de Montespan, einer lange favorisierten, nun aber ins Hintertreffen geratenen Mätresse Louis’ XIV.
Kaum zu übersehen auch, dass das Vorbild für die vom Göttervater umworbene Io eine gewisse Mademoiselle de Ludres gewesen sein dürfte, die neue Flamme des absolutistischen Herrschers. Und dass der Oberolympier Ähnlichkeiten mit dem barocken Ludwig aufwies, war nachgerade unvermeidlich. Kurzum, nach der Uraufführung Anfang 1677 im Château de Saint-Germain-en-Laye (Ludwigs Geburtsort) machte das Stück ordentlich Skandal – und verschwand alsbald in der Versenkung, während Quinault der Bann des Hofes traf.
Dabei ist das Opus eine Wunderkammer unvergleichlichen musikalischen Esprits. Zumal die zahlreichen Divertissements und Chöre gehören zum Besten, was ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Albrecht Thiemann
Die letzte Operette der Weimarer Republik – der Werbeslogan ist so richtig wie der Versuch, das erst verbotene und dann verschollene Stück endlich im Repertoire zu verankern. Die Berliner Uraufführung hatte unter Mitwirkung Richard Taubers am 20. Januar 1933 stattgefunden, nur wenige Tage darauf waren die Beteiligten ihres Lebens nicht mehr sicher. Tauber, Jaromír...
Der Raum habe für sie etwas «Flirrendes, Zittriges», sagt Regisseurin Barbara Frey. Das ist zweifelsohne richtig. Doch da, wo einem in einem Vexierbild die Augen ineinander übergehen, kehrt gleichzeitig Starre ein. Insofern ist Bettina Meyers Bühnenbild für Mozarts «Le nozze di Figaro» am Theater Basel in jeder Hinsicht bemerkenswert: Mehrere sich ins Unendliche...
Das dreiaktige Dramma per musica «Amare e fingere» – zu Deutsch: Lieben und Täuschen – kann man als lockeres Remake des spanischen Dramas «Fingir y amar» des zu seiner Zeit überaus beliebten italienischstämmigen Autors Augustín Moreto (1618–1669) bezeichnen. Wer die musikalische Adaption des Stücks einst autorisierte, ist umstritten; weder Libretto noch Partitur –...
