Parsifal am Zoo
Die Oper war stets Labor der Moderne: Soziale, politische, ästhetische, ökonomische und technische Neuerungen aller Art sind zeitnah in sie eingegangen. Der Film, multimediale «Gesamtkunstwerk»-Verlängerung, hat solche Symbiose noch potenziert. Trotzdem galt/gilt nicht wenigen Jüngeren Oper als altmodisch, der Besuch als bürgerliches Ritual, nicht selten «langweilig». Ein Grund hierfür dürften die in raum-zeitliche Ferne gerückten Sujets sein: antike Mythologie, gar germanische (Wagner), Mittelalter, exotische Schauplätze.
Der österreichische Komponist Gerd Kühr hält nichts von solcher «Zeitlosigkeit». Für seine erste Oper «Stallerhof» tat er sich mit dem Münchner Dramatiker Franz Xaver Kroetz zusammen, für eine realistisch-giftige Abrechnung mit der alles andere als «heilen» bäuerlichen Welt. Nun wechselte er vom Rustikalen ins schlechthin Großstädtische in Form einer regelrechten Berlin-Kolportage. «Paradiese» heißt seine Gemeinschafts-Arbeit mit dem Schriftsteller Hans-Ulrich Treichel, Librettist für Henze wie Detlev Glanert.
Treichel-Kührs «Paradiese» beschreiben die Bildungs-Odyssee eines jungen Mannes im Moloch Berlin: Parsifal steht am Bahnhof Zoo. Für den Studenten ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Panorama, Seite 72
von Gerhard R. Koch
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Eine putzige Anekdote über den kleinen Peter Tschaikowsky geht so: Das elsässische Kindermädchen ertappte seinen Schützling eines Tages, wie er vor einem Atlas kniete und die Länder Europas als die Feinde Russlands bespuckte. Von der Französin zurechtgewiesen, dass man so etwas nicht tue, antwortete der Junge verschämt, er habe beim Spucken Frankreich mit seinen...
«Allons gay gayment», «Auf geht's fröhlich», beginnt die Sängerrunde mit einer Chanson von Claude Le Jeune. Und klar: Wir folgen auch diesmal gern, wenn William Christie mit seinen Les Arts Florissants in der nun schon dritten CD die Kunst der Airs de cour erkundet, die als höfische Liedform Frankreich von der zweiten Hälfte des 16. bis zur Mitte des 17....
