Parsifal am Zoo
Die Oper war stets Labor der Moderne: Soziale, politische, ästhetische, ökonomische und technische Neuerungen aller Art sind zeitnah in sie eingegangen. Der Film, multimediale «Gesamtkunstwerk»-Verlängerung, hat solche Symbiose noch potenziert. Trotzdem galt/gilt nicht wenigen Jüngeren Oper als altmodisch, der Besuch als bürgerliches Ritual, nicht selten «langweilig». Ein Grund hierfür dürften die in raum-zeitliche Ferne gerückten Sujets sein: antike Mythologie, gar germanische (Wagner), Mittelalter, exotische Schauplätze.
Der österreichische Komponist Gerd Kühr hält nichts von solcher «Zeitlosigkeit». Für seine erste Oper «Stallerhof» tat er sich mit dem Münchner Dramatiker Franz Xaver Kroetz zusammen, für eine realistisch-giftige Abrechnung mit der alles andere als «heilen» bäuerlichen Welt. Nun wechselte er vom Rustikalen ins schlechthin Großstädtische in Form einer regelrechten Berlin-Kolportage. «Paradiese» heißt seine Gemeinschafts-Arbeit mit dem Schriftsteller Hans-Ulrich Treichel, Librettist für Henze wie Detlev Glanert.
Treichel-Kührs «Paradiese» beschreiben die Bildungs-Odyssee eines jungen Mannes im Moloch Berlin: Parsifal steht am Bahnhof Zoo. Für den Studenten ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Panorama, Seite 72
von Gerhard R. Koch
Wie oft bewährt sich die Kunst eines großen Sängers in Liedern, die schwerlich als «groß» zu bezeichnen sind – wie zum Beispiel in jenen Canzoni Napoletane, die, wie Adorno in seiner Musiksoziologie (1962) feststellte, «zwischen Kunstlied und Gassenhauer wunderlich die Mitte halten». Die Frage, ob sie im Verlauf des 20. Jahrhunderts diesen Charakter behalten...
Er sei zu den Proben ins Theater geflogen, sagt Evgeny Titov und breitet die Arme aus. «Ich war diese Wochen durchweg glücklich. Das Ensemble und ich, wir waren wie eine Blutgruppe.» Sechs Kilo habe er abgenommen während der Zeit. Vermutlich, weil er auf der Bühne permanent auf maximalem Energielevel schwingt, selbst in jede Rolle einsteigt und das Ensemble mit...
Wagners «Tristan und Isolde», dieses weltverneinende, erotisch aufgeladene Opus metaphysicum, als Oper für Kinder? Dem jungen Regisseur Dennis Krauß gelingt das bei den Bayreuther Festspielen erstaunlich leicht, indem er das romantische Märchen herauspräpariert, das – von den «Meistersingern» abgesehen – eigentlich in allen Opern Wagners steckt. Weil die Kinder in...
