Editorial Opernwelt 6/24
Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht? Einmal abgesehen davon, dass Heinrich Heine, als er diese berühmten Verse zu Papier brachte, in erster Linie an seine ferne Mutter dachte und erst in zweiter an die verlorene Heimat, steht es um dieses Land, zumindest was die Künste angeht, nicht gar so schlecht (und vor allem nicht so schlecht, wie die ewigen Pessimisten es immer in den Wald hineinrufen).
Zugegeben, es gibt hier (Deutsche Bahn), da (Berliner Bürgerämter) und dort (Freundlichkeit ist eine Zier, doch weiter geht es ohne «ihr») einigen Verbesserungsbedarf, doch beschaut man allein das kulturelle Angebot zwischen Flensburg, Passau, Aachen und Görlitz und vergleicht dieses beispielsweise mit dem Königreich Großbr(ex)itannien oder der Situation im ebenfalls von horrenden Streichungen bedrohten Frankreich, kann man nur zu einem Schluss kommen: Wir leben zwar in der Provinz. Aber diese Provinz ist zugleich (noch) ein Paradies.
Einer derjenigen, die dies, mit gebotener Distanz, einer gehäuften Prise Ironie und großer Zugeneigtheit erkannten, war der Publizist Roger Willemsen, dessen Verlust (wie ebenfalls der von Christoph Schlingensief) nach wie vor ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Seit seiner grandiosen Gesamteinspielung des Lied-Œuvres von Gabriel Fauré gehört der Tenor Cyrille Dubois zu den Top-Interpreten der französischen Liedkunst; zuletzt überraschte der Tenor mit einer gleichermaßen verstörenden wie bezwingenden Aufnahme von Schuberts «Winterreise». Auf seiner jüngsten CD kehrt Dubois zum vertrauteren Repertoire des französischen...
Sie sind einander nahe. Sehr nahe: der Tod und das Mädchen. Nur wenige Zentimeter trennen sie, ein winziger synaptischer (Licht-)Spalt, und würde es mit rechten Dingen zugehen, wäre das Spiel, kaum ist die Stille nach den Schüssen eingetreten, vorbei und würde der Tod das Mädchen in seine Arme schließen. Doch kaum hat sich jene Falltür geöffnet, unter der Manuel...
Zwei Frauen in einem Kleid? Na, das kann ja heiter werden. Im Fall der jungen, aufstrebenden Sopranistin Eva Zalenga und der formidablen Pianistin Doriana Tchakarova aber trifft das Bild, mit dem das Cover ihres Debütalbums geschmückt ist, den Kern der Causa. Beide verbindet eine längere Zusammenarbeit, die nun Ausdruck findet in einer CD, die wiederum jene engen...
