Dieser zarte Funken Hoffnung
Sie sind einander nahe. Sehr nahe: der Tod und das Mädchen. Nur wenige Zentimeter trennen sie, ein winziger synaptischer (Licht-)Spalt, und würde es mit rechten Dingen zugehen, wäre das Spiel, kaum ist die Stille nach den Schüssen eingetreten, vorbei und würde der Tod das Mädchen in seine Arme schließen. Doch kaum hat sich jene Falltür geöffnet, unter der Manuel Rocas Tochter liegt, während oben ihr Vater, ein ehemaliger Arzt, und ihr Bruder kaltblütig ermordet werden, öffnet sich auch das Herz des jungen Mannes, der sie entdeckt hat und eigentlich nicht am Leben lassen darf.
Doch Tito, so nennen ihn seine Mitstreiter El Gurre und Salinas, wird von Ninas Blick so sehr, fast Sartre’isch, gebannt, dass er ihr das Leben schenkt …
«Senza sangue» heißt die bittersüße Novelle von Alessandro Baricco, die Péter Eötvös zu seinem gleichnamigen, 2016 beim Grand Opéra Festival in Avignon uraufgeführten Bühnenwerk inspirierte. Bariccos Text ist im Libretto von Mari Mezei größtenteils beibehalten, allerdings wird die Szene auf dem Bauernhof nur kursorisch und in Rückblenden erzählt, in zarten Nuancen und Andeutungen über das Vergangene. Was damals, vor vielen Jahren, geschah, erschließt sich in ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Kein Bühnenwerk Richard Wagners konfrontiert ein Produktionsteam am Theater wohl mit derart vielen konzeptionellen Vorabüberlegungen wie die romantische Oper «Tannhäuser». Und das hat viel damit zu tun, dass der Komponist selbst es war, der dieses Stück als etwas Unvollendetes betrachtete. Er sei der Welt «noch einen Tannhäuser schuldig», beteuerte er gegenüber...
Das ist ja wirklich mal eine grandiose Überraschung. Nicht, dass man dem Theater Luzern eine solche Wundertat nicht zutrauen würde – das Haus war schon oft für Überraschungen gut. Aber das jetzt, das ist wirklich umwerfend. Antonio Vivaldis «Giustino», geschickt gekürzt auf eine Netto-Spielzeit von zweieinhalb Stunden, also immer noch recht lang, aber so süchtig...
Wenn Olivier Messiaen eine katholische Kirche betrat, muss sein Blick als Erstes auf die Glasfenster des Gotteshauses gefallen sein. Überliefert sind persönliche Momente der großen Faszination. Schon als er während seines Kom -positionsstudiums am Pariser Konservatorium durch die Monumente und Museen der Metropole streifte, berichtete Messiaen begeistert von seinen...
