Editorial
Damit hatte niemand gerechnet: Der Streit um den Umbau der Deutschen Staatsoper in Berlin hat sich zu einer gesamtdeutschen Staatsaffäre ausgewachsen, und die ganze (Feuilleton-)Republik redet mit. Seit die Ergebnisse des von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ausgelobten Wettbewerbs um die Sanierung der maroden Lindenoper Anfang Juni vorgestellt wurden, stehen nicht nur die neun Mitglieder der Jury Kopf, die – mit sechs zu drei Stimmen – für den Entwurf des Berliner Architekten Klaus Roth votierten.
Kaum ein Tag verging, an dem sich nicht auch Politiker, Unternehmer, Leitartikler und Künstler jedweder Couleur mit leidenschaftlichen Appellen zu Wort meldeten. Die öffentliche Aufregung um das im Verlauf seiner rund 250-jährigen Geschichte mehrfach veränderte und erweiterte Haus erreichte Temperaturen, als stehe die Kulturnation auf dem Spiel. Worum geht es?
Zum einen offenbart die Debatte einen ideologischen Konflikt um Symbole und Identitäten. Die Bruchlinie verläuft, vereinfacht gesagt, zwischen Traditionalisten, die – und sei es noch so oft überformt – das (vermeintlich bessere) Vergangene bewahren möchten, und Modernisten, die – und sei es noch so schwer zu ...
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Das Publikum der Volksbühne strömt kräftig schon zur Einführung: Man hat vom Buh- und Bravo-Kampf der Premiere gehört und will mitreden können. Und diskutiert wird viel in der Pause und nach der Aufführung – die Meinungen schwanken zwischen Ablehnung und glühender Begeisterung. Ablehnung, weil die Ästhetik der Bühne den lieb gewordenen «Eugen Onegin»-Kitsch gar so...
