Bürgerliches Trauerspiel
Ende gut, alles gut? Aus dem Schnürboden geht ein reinigender Regen auf die frühlingshaft bunt gewandeten (Chor-)Frauen nieder. Da stehen sie, soeben noch von Hagens Mannen brutal missbraucht, in weißem Licht. Während die Musik vom lodernden Untergang Walhalls kündet, hoffen sie auf ein neues Leben. So wie die unbehausten Kids, die das Geschehen in kauernder Angst verfolgt haben.
Und so wie Brünnhilde, die den gemeuchelten Siegfried dem Totenreich entreißt, um mit ihm aufrechten Gangs aus jenem betongrau getünchten Bunker zu entfliehen, in dem Regisseur Michael Schulz den Showdown der vor zwei Jahren angetretenen Weimarer «Ring»-Expedition spielen lässt.
Mit einer konzentrierten Inszenierung, die das mythische Endspiel um die Macht im Himmel und auf Erden auf die emotionalen Konflikte der handelnden Protagonisten herunterbricht, verabschiedet sich Schulz als Operndirektor des Deutschen Nationaltheaters. Das Personal der «Götterdämmerung» legt er behutsam auf die Couch, die fatalen Verwerfungen zwischen (dem abwesenden Herrn) Wotan und dem Nibelung Alberich, das Siegfrieds Tod besiegelnde Komplott des Gibichungen Hagen, Brünnhildes Rachezug – der blutige Kampf um die Kontrolle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit nunmehr dreiunddreißig Spielzeiten bietet das Opera Theatre of Saint Louis ein ausgesuchtes Programm, das vom heimischen Publikum, von Besuchern aus ganz Amerika sowie von der internationalen Presse gleichermaßen geschätzt wird. Wenn die führenden US-Häuser (die Met in New York, die Lyric Opera in Chicago, die San Francisco Opera) schon Theaterferien machen...
Nein, eine Erfolgsgeschichte konnte man das groß angelegte «Ring»-Projekt der Berliner Philharmoniker bislang wirklich nicht nennen: Vier Jahrzehnte, nachdem Herbert von Karajan die Salzburger Osterfestspiele für seine bahnbrechende Tetralogie-Interpretation gegründet hatte, erarbeitet sich das Orchester Richard Wagners Bühnenendspiel erneut. Seit 2006 gibt es in...
Mit seiner 1817 uraufgeführten «Diebischen Elster» schuf Gioacchino Rossini sozialistisches Musiktheater, lange bevor es den Sozialismus gab: Die Heldin dieses melodramma, das Dienstmädchen Ninetta, stammt nicht bloß aus der untersten Gesellschaftsschicht, sondern nimmt für ihre Gefühle auch noch die große Arienform in Besitz, die bis dahin weitgehend der...
