Bürgerliches Trauerspiel
Ende gut, alles gut? Aus dem Schnürboden geht ein reinigender Regen auf die frühlingshaft bunt gewandeten (Chor-)Frauen nieder. Da stehen sie, soeben noch von Hagens Mannen brutal missbraucht, in weißem Licht. Während die Musik vom lodernden Untergang Walhalls kündet, hoffen sie auf ein neues Leben. So wie die unbehausten Kids, die das Geschehen in kauernder Angst verfolgt haben.
Und so wie Brünnhilde, die den gemeuchelten Siegfried dem Totenreich entreißt, um mit ihm aufrechten Gangs aus jenem betongrau getünchten Bunker zu entfliehen, in dem Regisseur Michael Schulz den Showdown der vor zwei Jahren angetretenen Weimarer «Ring»-Expedition spielen lässt.
Mit einer konzentrierten Inszenierung, die das mythische Endspiel um die Macht im Himmel und auf Erden auf die emotionalen Konflikte der handelnden Protagonisten herunterbricht, verabschiedet sich Schulz als Operndirektor des Deutschen Nationaltheaters. Das Personal der «Götterdämmerung» legt er behutsam auf die Couch, die fatalen Verwerfungen zwischen (dem abwesenden Herrn) Wotan und dem Nibelung Alberich, das Siegfrieds Tod besiegelnde Komplott des Gibichungen Hagen, Brünnhildes Rachezug – der blutige Kampf um die Kontrolle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bevor wir «Idomeneo» in der Helmut-List-Halle hinter dem Grazer Hauptbahnhof besuchen, schauen wir im Kunsthaus Graz vorbei, der extraterrestrischen blauen Spenderniere am rechten Murufer. In der Ausstellung «Work and Play» zeigt dort der Foto- und Videokünstler Hans van der Meer bis Ende August Amateur-Fußballer Europas beim Spiel. Eine der Video-Szenen...
Die ganze Welt ist grau. Wie eine unüberwindbare, gleichwohl atmende Wand erstrecken sich die Plastikbahnen zur Rechten und zur Linken der Bühne, die Paul Zoller ersonnen; straff gespannt und anthrazit schimmernd auf der Rückseite. Nimmt man nun noch die an der Decke befestigten Neonröhren hinzu, ergibt sich das Bild eines kühl-kargen, unbewohnten Ortes. Es ist...
Es ist das alte Lied: Hinterher will es niemand gewesen sein. Steckt der Karren erst mal im Dreck, fragen sich alle mit ernster Unschuldsmiene, wie er wohl dahin gekommen ist. Dann hebt die Suche nach den Schuldigen an, und dabei wird der Zeigefinger gern auf Mitfahrer gerichtet, die erst aufgesprungen sind, als das Gefährt längst auf falschem Kurs war. In diesem...
