Bürgerliches Trauerspiel
Ende gut, alles gut? Aus dem Schnürboden geht ein reinigender Regen auf die frühlingshaft bunt gewandeten (Chor-)Frauen nieder. Da stehen sie, soeben noch von Hagens Mannen brutal missbraucht, in weißem Licht. Während die Musik vom lodernden Untergang Walhalls kündet, hoffen sie auf ein neues Leben. So wie die unbehausten Kids, die das Geschehen in kauernder Angst verfolgt haben.
Und so wie Brünnhilde, die den gemeuchelten Siegfried dem Totenreich entreißt, um mit ihm aufrechten Gangs aus jenem betongrau getünchten Bunker zu entfliehen, in dem Regisseur Michael Schulz den Showdown der vor zwei Jahren angetretenen Weimarer «Ring»-Expedition spielen lässt.
Mit einer konzentrierten Inszenierung, die das mythische Endspiel um die Macht im Himmel und auf Erden auf die emotionalen Konflikte der handelnden Protagonisten herunterbricht, verabschiedet sich Schulz als Operndirektor des Deutschen Nationaltheaters. Das Personal der «Götterdämmerung» legt er behutsam auf die Couch, die fatalen Verwerfungen zwischen (dem abwesenden Herrn) Wotan und dem Nibelung Alberich, das Siegfrieds Tod besiegelnde Komplott des Gibichungen Hagen, Brünnhildes Rachezug – der blutige Kampf um die Kontrolle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wagner, der alte Verführer und Menschenfänger. Ungebrochen entfaltet er seine Wirkung. Mit dem Rausch seiner megalomanen Dramen. Mit der Droge seiner unendlichen Melodien. Mit dem schaurig-schönen Appeal seiner volltönenden Apokalypsen. Das Gespenst seines Genies geht um, wo immer Oper und Musiktheater gemacht wird. Und das seit mehr als hundert Jahren. Bayreuth...
Ein ungleiches Paar? Nicht wenige Opernkenner durchwehte, und doch recht bang, dieser Gedanke, als Birgit Nilsson und Giuseppe di Stefano im Juni 1961 gemeinsam auf die Bühne der Wiener Staatsoper traten, um die beiden Hauptrollen in Puccinis «Turandot» zu verkörpern. Hier die an Wagner und Strauss gestählte Heroine mit ihrer schier übermächtigen Stimme als...
Unter den nordamerikanischen Festivals, die das ganze Spektrum der Künste ins Visier nehmen, ist Spoleto zweifellos die erste Adresse. Und in diesem Jahr zudem ein Ort, der auf zeitgenössische Oper setzt – und ganz nebenbei die Flexibilität der Gattung unterstreicht.
Publikumsrenner der zweiunddreißigsten Saison war «Monkey: Journey to the West», ein von...
